The Babbel Blog

Learning and language

Weshalb das Alter nicht am Sprachenlernen hindert

Posted on October 22, 2014 by

gehirn

„Altsein heißt für mich immer: Fünfzehn Jahre älter als ich.“
– Bernard Baruch, US-amerikanischer Finanzexperte und Philanthrop.

 

Lieber Leser, stehst du gerade in der Blüte deiner Jugend? Bist du zwanzig, fit und voller Tatendrang? Liegt dein Leben noch vor dir wie ein majestätischer persischer Teppich?

Gut für dich. Dann mach dich jetzt vom Acker und lies etwas anderes.

Ah, so ist es schon viel besser. Jetzt, da alle jungen Hüpfer das Spielfeld verlassen haben, können wir offen über eine etwas heikle Frage sprechen: Ist es möglich, eine neue Sprache zu lernen, obwohl man schon ein bisschen älter ist? Kann man all die neuen Vokabeln noch im Kopf behalten? Neue Grammatikstrukturen lernen? Oder ist es zu spät, jetzt noch damit anzufangen?

Hier kommt die gute Nachricht: Die jungen Hasen mögen in der sprachlichen Weite davonrennen, aber du, liebe Schildkröte, hast auch gewisse Vorteile in diesem Rennen. Dein Gehirn ist fähig zu Dingen, die du dir nicht vorzustellen vermagst. Es kann sich ungemein entwickeln – und das selbst noch im Alter. Außerdem ist da noch ein Bereich, in dem dein Alter einen großen Vorteil darstellt – und zwar beim selbstgesteuerten Lernen. Also hol jetzt deine bequemen Pantoffeln hervor, mach dir eine heiße Tasse Tee (oder etwas Stärkeres) und lies dann weiter…

Dein Gehirn ist plastisch

Noch vor einigen Jahrzehnten hatten Wissenschaftler eine sehr viel festgefahrenere Vorstellung vom Gehirn. Sie dachten, dass die Entwicklung des Gehirns während der Kindheit darüber bestimmt, wie es für den Rest des Lebens strukturiert sein würde.

Doch jetzt wissen wir, dass das so nicht stimmt. Eine bahnbrechende Studie aus dem Jahr 2000 (Macguire et al.) hat die graue Substanz von Londoner Taxifahrern untersucht. Und damit ist nicht das Zeug im Bauchnabel der Taxifahrer gemeint, sondern die graue Substanz in ihren Köpfen. Die Fahrer hatten ein größeres Volumen an grauer Substanz im Hippocampus, einem kleinen seepferdchenförmigen Teil des Gehirns, das sich mit (räumlichem) Gedächtnis befasst, wenn sie lange Zeit gefahren waren. Hier gab es einen handfesten Beweis für Neuroplastizität, der Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und neue Nervenverbindungen zu bilden.

Diese Studie führte zu einer Explosion von Untersuchungen über Neuroplastizität. Wir wissen jetzt, dass Training unser Gehirn schon bereits nach nur wenigen Trainingseinheiten verändern kann und dass je nach Länge der Trainingseinheiten der Effekt umso stärker ist. Im Jahr 2010 testete dann eine Gruppe schwedischer Wissenschaftler jüngere (21- bis 30-jährige) und ältere (65- bis 80-jährige) Erwachsene über sechs Monate hinweg und konnte „keinerlei signifikante altersbezogene Unterschiede in der Plastizität der Mikrostruktur weißer Substanz entdecken“. Was übersetzt soviel heißt wie: auch ein älteres Gehirn kann sich verändern.

Neuroplastizität und Sprachenlernen

Was passiert also mit dem Gehirn eines Erwachsenen, der Sprachen lernt? Eine Gruppe erwachsener Chinesischlerner wurde im Jahr 2012 über einen Zeitraum von neun Monaten getestet und zeigte in dieser Zeit „eine verbesserte Unversehrtheit der weißen Substanz“. Weiße Substanz verbindet die Zellen und es gilt: je besser Zellen verbunden sind, desto besser kann man kognitive Aufgaben erledigen.

Eine noch bemerkenswertere Entdeckung war aber, dass eine Gruppe von Militärdolmetschern nach nur drei Monaten intensiven Sprachenlernens tatsächlich größere Hippocampi entwickelte (da haben wir wieder das Seepferdchen!).

Willst du noch mehr Argumente? Okay, dann pass auf: Sprachenlernen baut ‘kognitive Reserven’ auf, die dich resistenter gegen Gehirnschäden werden lassen. Bist du zweisprachig aufgewachsen? Dann herzlichen Glückwunsch! Vermutlich wirst du damit den Ausbruch von Demenz um mehrere Jahre aufschieben können. Genehmige dir also ruhig noch einen weiteren Drink…

Immer diese schummelnden Alten

Wenn du betroffen darüber bist, nicht mehr so schnell zu sein, wie du oder dein Gedächtnis es früher einmal waren: es gibt einen Silberstreifen am Horizont. Du hast etwas, das nicht jeder Teenager hat.

Du hast gelernt zu lernen. Du kennst die Lernstrategien, die für dich gut funktionieren, und diejenigen, die bei dir eine reine Zeitverschwendung darstellen. Vielleicht ist dein Gehirn nicht ganz so schnell wie das einer Person, die nur halb so alt ist wie du, aber du hast die besseren „metakognitiven Fähigkeiten“, auch Fähigkeiten „selbstgesteuerten Lernens“ genannt.

Vor ein paar Jahren versuchten Wissenschaftler dies zu testen. Sie bildeten Gruppen älterer und jüngerer Testpersonen und zeigten ihnen Wörter, die mit hohen und niedrigen Punktwerten verknüpft waren. Anschließend erlaubten sie den Testpersonen, noch einmal zu wiederholen, was immer sie wollten. Sie bemerkten, dass die älteren Personen mehr Zeit mit den höher bewerteten Wörtern verbrachten, ihr Erinnerungsvermögen jedoch genauso gut war wie bei den jüngeren Testpersonen.

Auf eine bemerkenswerte Weise wurde bei dieser Untersuchung auch sichtbar, weshalb man älteren Personen nicht trauen kann: die Wissenschaftler entdeckten, dass die älteren Testpersonen sehr raffiniert die höher bewerteten Wörter kurz vor dem Test noch einmal ganz genau angeschaut hatten.

So, da haben wir es: es gibt absolut keinen Grund dafür, Sprachen nicht bis ins hohe Alter hinein zu lernen.

Jetzt musst du dir eine neue Ausrede suchen…

Lernst du eine Sprache, um dich geistig fit zu halten? Teil uns deine Gedanken und Ideen über deine Kommentare mit.

 

- Aus dem Englischen übersetzt von Inga Opitz

 

Porträt: Mirelle aus Lausanne

Posted on October 17, 2014 by

Portrait: Mirelle aus Lausanne

Wir starten eine neue Reihe:  Babbel-User-Porträts aus der ganzen Welt – ein Schnappschuss aus dem Leben der Babbe-User, die verraten warum sie eine neue Sprache lernen. Wenn ihr auch eure Geschichte teilen wollt, schreibt uns einen Kommentar. In diesem Monat haben wir mit Mireille, einer 24-jährige Schweizerin gesprochen, die Schwedisch aus einem ganz bestimmten Grund lernt: der Liebe.

Meine erste Begegnung mit dem Schwedischen war in der Schule. Als ich 16 war, habe ich dort meinen Freund, einen waschechten Schweden, kennengelernt. (more…)

Wie wir Sprachen lernen: die “Militär-Methode”

Posted on October 8, 2014 by

Audiolinguale Methode

Meine Großmutter hatte in Australien in den späten Fünfzigern Französisch als Schulfach. Jahrelang lernte sie pflichtbewusst die Sprache, doch der einzige Satz, an den sie sich bis heute lebhaft erinnert, lautet:

La plume de ma tante est dans le jardin avec le lion.

Für diejenigen, die nie das Vergnügen hatten, sich mit der französischen Sprache zu beschäftigen: Das lässt sich mit „Der Federhalter meiner Tante befindet sich mit dem Löwen im Garten“ übersetzen. Dieser Satz ist eher ungeeignet, ihn galant in eine ungezwungene Unterhaltung einfließen zu lassen, um es mal vorsichtig auszudrücken. (more…)

Die Zungenbrecher-Challenge

Posted on October 1, 2014 by

Zungenbrecher

Wenn man eine Fremdsprache lernt, sind Zungenbrecher hervorragend dafür geeignet, die eigene Aussprache zu trainieren. Zungenbrecher, das sind ganze Sätze oder eine Folge von Worten, die schwer auszusprechen sind. Dahinter steckt oftmals eine Kombination ähnlicher Laute, wie „s“ und „sch“ oder „p“ und „b“. Meistens ist die Bedeutung von Zungenbrechern purer Quatsch, auch wenn der englische Klassiker „She sells sea shells on the sea shore, and the shells that she sells are sea shells, I’m sure“ im Jahre 1908 tatsächlich zu einem ziemlich populären Lied wurde, das auf dem Leben von Mary Anning, einer britischen Fossiliensammlerin, beruhte.

Um unseren neuen Kurs mit schwedischen Zungenbrechern zu feiern, haben wir uns unsere acht Lieblings-Zungenbrecher aus verschiedenen Sprachen – Englisch, Deutsch, Italienisch, Französisch, Dänisch, Schwedisch, Türkisch und Russisch – vorgeknöpft und sie in kurze Animationen verwandelt. Schaffst du es, sie nachzusprechen, ohne dich zu verhaspeln? (more…)

Portugiesisch für Anfänger

Posted on September 25, 2014 by

Portugiesisch

Anja vom Backpacking-Blog happybackpacker.de ist seit fast fünfzehn Jahren in der Welt unterwegs und bloggt mittlerweile über ihre Reisen und ihre beiden großen Leidenschaften: Das Surfen und Tauchen. Erst vor kurzem war sie mehrere Monate in Südamerika unterwegs und hat dort wieder einmal gemerkt, wie wichtig es ist, wenigstens ein paar Brocken der Landessprache zu beherrschen. (more…)

Zen und die Kunst eine Sprache zu erlernen

Posted on September 17, 2014 by

Glück, Zen, Sprachen lernen

Im Herzen von Hanoi, Vietnam, gibt es einen See. Viele Straßen führen zu ihm und münden in einem Kreis um ihn herum. Wenn der Abend kommt und die stickige Hitze des Tages langsam aus der Stadt weicht, fahren die Leute auf Motorrollern um den See, immer herum und herum und herum. Sie haben kein bestimmtes Ziel. Manchmal fahre ich mit um den See und spüre den Luftzug auf meinem Gesicht. (more…)

Das Phänomen „la rentrée“

Posted on September 4, 2014 by

die Rückkehr

In Frankreich und Italien ist der Septemberanfang eine Zeit voller Betriebsamkeit, la rentrée oder il rientro– auf Deutsch „die Rückkehr”.

Hierzulande gibt es nichts Vergleichbares: Alle Schüler im ganzen Land beginnen gleichzeitig mit dem neuen Schuljahr. Alle Geschäfte werden wieder geöffnet. Die Menschen kehren an ihre Arbeit zurück. Viele Läden veranstalten einen großen Sommerschlussverkauf. Eine enorme Maschinerie kommt in Gang, wenn das ganze Land gemeinsam die Urlaubsstimmung des Sommers hinter sich lässt und sich mental auf ein neues Geschäftsjahr einstellt. (more…)

Wie man sich eine neue Lerngewohnheit antrainiert

Posted on August 28, 2014 by

Lerngewohnheit

Zu wissen, wie man sich eine neue Lerngewohnheit antrainiert, ist entscheidend für den langfristigen Lernerfolg. Deswegen haben wir uns in den letzten Monaten mit der Bildung von Gewohnheiten befasst: Wie können wir Menschen dabei unterstützen, sich neue Gewohnheiten anzueignen, sodass sie beim Sprachenlernen motiviert bleiben?

Es ist allgemein bekannt, dass ein wichtiger Teil des Lernens regelmäßige Wiederholung ist, also in eine feste Routine zu kommen. Das klingt erst einmal langweilig, ist aber unvermeidlich wenn man es ernst meint mit dem Lernen.

Wir hören von unseren Nutzern oft „Ich habe leider nicht die Zeit, regelmäßig zu lernen.“ Und ja, das kennt wohl jeder: Wie oft merkt man am Ende eines langen Tages, das man auch heute trotz aller guten Vorsätze nicht die paar Minütchen zum Lernen genutzt hat, die man sich eigentlich genau dafür freigehalten hatte?

Zeitmangel ist wirklich ein Thema, aber wir glauben, dass das Problem woanders liegt. (more…)

Lernstil – welchen hast du?

Posted on August 13, 2014 by

LernstilStell dir vor, ein freundlicher, aber verzweifelter Außerirdischer stoppt dich auf deinem Weg nach Hause. Der kleine Kerl ist auf die Erde gekommen, um hier eine wirklich gute Tasse Kaffee zu finden. Der Fortbestand seiner gesamten Art auf seinem Heimatplaneten hängt davon ab, ob er es schafft, mit einer Kaffeemaschine und dem Wissen, wie man sie bedient, zurückzukehren. Natürlich lässt du dich nicht zweimal bitten, ihm zu helfen.

Wie gehst du vor? (more…)

Welcher ist der sexieste Akzent?

Posted on August 6, 2014 by

sexieste Akzent

Hier bei Babbel schrecken wir nicht davor zurück, uns großen Fragen zu stellen: Wie kann die globale Erwärmung gestoppt werden? Ist die keynesianische Ökonomie tot oder nicht? Und welche Nationalität hat den sexiesten Akzent?

*räusper*

(more…)