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Fußballsprache in Brasilien: Englische Wurzeln treiben portugiesische Blüten

Posted on July 4, 2014 by

Brazilian football language

Die Fußballsprache in Brasilien mit Ausdrücken wie Jogo bonito! oder Golaço! grassiert, seitdem die WM in vollem Gange ist, nicht mehr nur unter beinharten Fans und natürlich den Brasilianern selbst.

Mittlerweile gehören diese Begriffe zum Wortschatz eines jeden Fußball-Fans, der etwas auf sich hält, und spiegeln somit die schillernde brasilianische Fußballkultur und ihren Einfluss auf die ganze Welt wider.

Wenn man den Blick aber ein Jahrhundert zurück auf die Geburt des brasilianischen Fußballs richtet, kann man nicht anders, als den Einfluss einer kleinen Inselnation anzuerkennen, die nur ein einziges Mal die WM gewonnen hat (und im Vergleich zu Brasiliens fünf WM-Titeln daher etwas hinterherhinkt) – England.

Zwei Fußbälle, eine Luftpumpe und ein Regelwerk

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Zwei Männer haben sich besonders darum verdient gemacht, den futebol nach Brasilien zu bringen.

Charles Miller, Sohn eines schottischen Lokführers und einer Brasilianerin mit englischen Wurzeln, wurde zum Studieren nach England geschickt, wo er Cricket und Fußball spielte. Er kehrte in seine Heimatstadt São Paulo mit zwei Fußbällen, einer Luftpumpe und einem Regelwerk zurück. (Man stelle sich vor, wie die Dinge gelaufen wären, hätte er stattdessen einen Cricket-Ball mitgebracht!)

Millers Biograf John Mills zitiert einen irritierten Journalisten aus São Paulo, der darüber schrieb, dass britische Sportsmänner an den Wochenenden zusammen kamen, „um etwas herumzutreten, das aussah wie die Blase eines Ochsen, was ihnen großes Vergnügen oder Verdruss bereitete, wann immer diese gelbliche Blase in ein mit Pfosten aufgestelltes Rechteck geriet.“

Miller spielte eine maßgebliche Rolle in der Gründung des São Paulo Athletic Club, wo er natürlich sich selbst als Stürmer aufstellte.

In der Zwischenzeit entdeckte ein junger Spross einer reichen englisch-brasilianischen Familie mit dem Namen Oscar Alfredo Cox in der Schweiz die Freuden des Fußballs. Als er zurückkam, organisierte er das erste Spiel überhaupt in Rio de Janeiro, im September 1901. Was Miller in São Paulo machte hatte sich herumgesprochen und so reiste Cox mit einer Gruppe Freunde nach Süden, wo sich die beiden Männer schließlich auf dem Platz trafen. Zweimal traten sie gegeneinander an; beide Spiele endeten unentschieden. Cox gründete ein Jahr später, im Alter von 22 Jahren, den Fluminense FC.

Ihre englischen Wurzeln kann man auch heute noch in der brasilianischen Fußballsprache nachhallen hören. Ein Innenverteidiger, im Englischen „centre-back“, wird in Brasilien manchmal noch beque genannt. Ein richtig guter Spieler ist ein craque, ein „crack“. Damit die eigene Mannschaft („team“ auf Englisch, time im Portugiesischen) den Pokal (Englisch: trophy, Portugiesisch: troféu) holt, ist es nötig, das ein oder andere Tor („goal“ / gol) zu schießen („shoot“ / chutar).

Fußball ist unser Leben

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Schon 1919 zog das Lokalderby in Rio 18.000 Fans ins Stadion, vor dem weitere 5.000 standen und lange Gesichter machten, weil sie keine Tickets mehr bekamen.

Warum hat Fußball in Brasilien einen derartigen Siegeszug hingelegt?

Zugänglichkeit ist sicherlich ein Faktor. Alles, was man braucht, ist ein flacher Platz (und manchmal nicht mal das) sowie einen Ball, sonst nichts. Das allein ist aber keine hinreichende Erklärung für das Ausmaß, mit dem sich König Fußball durchgesetzt hat, denn China und Indien, Länder vergleichbarer Größe, haben ihn nicht derart angenommen. In Brasilien wurde Fußball zu einer Religion, einer Philosophie, einer Identität – und einer Sprache.

Der Ball – a bola, im Gegensatz zu seinem deutschen Gegenstück in weiblicher Form – ist etwas, das in Brasilien geschätzt und geliebt wird. Das Schlimmste was man tun kann, ist pisar na bola, auf den Ball zu trampeln. Da kann man gleich pendurar as chuteiras, die Fußballschuhe (an den Nagel) hängen und jegliche Hoffnung aufgeben: tirar o time de campo, das Team vom Platz ziehen. Wenn etwas absolut katastrophal gelaufen ist, hat man vielleicht sogar ein maracanaço erlitten – ein Begriff, der sich auf Brasiliens Niederlage gegen Uruguay im Finale der WM 1950 im Maracanã-Stadion bezieht, auch nach über einem halben Jahrhundert noch ein kollektives nationales Trauma.

Aber zurück auf die Sonnenseite. Der Ausdruck golaço ist nicht nur für spektakuläre Tore reserviert: Er kann für jede Meisterleistung genutzt werden, etwa wenn man einen Kunden mit einer unglaublichen Powerpoint-Präsentation umgehauen hat. Schließlich ist es wichtig, einen guten Eindruck zu machen wenn man das Trikot trägt, vestir a camisa, sprich, wenn man die Firma repräsentiert.

Falls man dann noch einen Schritt weiter geht und sich den Kunden selbst schnappt, um sein eigenes Unternehmen zu gründen… tja, ab und zu muss man eben ein bisschen egoistisch sein, oder im brasilianischen Fußball-Jargon die Ecke mit einem Kopfball verwandeln, bater o escanteio e cabecear a bola (die Ecke schlagen und den Ball köpfen). Es ist schließlich ein pontapé inícial (Anstoß), ein Neubeginn.

Nachspielzeit

Niemand möchte seine Mannschaft „an der Laterne“ sehen, na laterna – auf dem letzten Tabellenplatz.

Stattdessen wollen alle „den Ball essen“, comer a bola – hervorragend spielen.

Und jeder Torwart verzichtet gern darauf, „einen Truthahn zu bekommen”, levar um peru – einen richtig dämlichen Fehler zu machen.

Jetzt, wo du mit dem Jargon versorgt bist, probier doch mal unser Quiz zu brasilianischen Fußball-Ausdrücken!

 

Photo 1: ‘World Cup football – Soccer ball with flags of different countries’ ©iStock.com / andresr

Photo 2: Charles Miller & Oscar Alfredo Cox | CC0 1.0

Photo 3 ‘Maracana Stadium’ ©iStock.com / CelsoDiniz

 

Comments

“offusaidu torrapu” was a word used in the world cup 2006 as well es “juego de pasos rapidos”

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