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Warum Italiener mit den Händen sprechen (und Skandinavier nicht)

Posted on May 7, 2014 by

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mit den Händen sprechen

Photo by Haraldo Ferrary / CC 2.0

 

When the moon hits your eye like a big pizza pie

That’s amore…

 

Liebe. Raserei. Leidenschaft. Italiener sind bekannt für ihre ausdrucksvolle Körpersprache und Handgestik. Als ob die Gefühle, die in ihnen hochkochen nicht allein durch Worte ausgedrückt werden können, sondern zusätzlich einen warnenden Zeigefinger, eine flehenden Geste gen Himmel oder einer geschüttelte Faust verlangen.

Bei Skandinaviern ist das anders.

Wenn man traditionelle Stereotypen zu Rate zieht, sind unsere nordischen Brüder und Schwestern eher rational und reserviert. Das heißt nicht, dass ihnen extreme Emotionen fremd sind – nur, dass sie eher nicht dazu neigen, diesen körperlich Ausdruck zu verschaffen.

Ja, hierbei handelt es sich um kulturelle Klischees, obwohl wohl wenige Menschen bestreiten würden, dass Italiener dazu tendieren, ihre Hände zur Hilfe nehmen, um sich auszudrücken. Aber was ist, wenn dem Ganzen ein biologischer Imperativ zugrunde liegt? Was, wenn Gebärden zur Entwicklung unseres Gehirns beitragen? Was, wenn es eine Verbindung gibt zwischen der Art und Weise, wie wir unsere Hände benutzen und wie wir Probleme lösen?

 

Südliche Leidenschaft trifft auf nördliche Zurückhaltung

Zunächst müssen wir ein paar Stereotypen auf den Grund gehen.

Die Idee, dass südliche Länder sowohl vom Klima, als auch vom Temperament ‘heißer’ sind, wird selten in Frage gestellt, dabei ist dies durchaus eine problematische Prämisse.

Wenn wir akzeptieren, dass dies der Wahrheit entspricht, woran liegt es dann, dass die germanischen Sprachen zerebraler sind und die romanischen, naja, romantischer? Ist es in Norwegen kälter und daher lassen die Menschen ihre Hände in den Taschen verschwinden? Ist die grammatikalische Komplexität der deutschen Sprache und ihrer Geschwister Ausdruck einer analytischeren Sicht auf die Welt?

Es ist das klassische Henne-Ei Problem von Sprache und Kultur und es gibt darauf keine einfache Antwort.

Was wir lernen ist, dass die Beziehung zwischen Gebärden und Sprache entscheidend für die Entwicklung des menschlichen Gehirns zu sein scheint.

 

Fischers Fritz fischt frische Fische

Einer Studie des letzen Jahres zufolge, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Vorgang der Vokalisierung und pektoralen Gestik in einem bestimmten Teil des Fischgehirns – also, einfach gesagt, eine Verbindung zwischen den Geräuschen, die ein Fisch macht und der Bewegung seiner Flossen.

Professor Andrew Bass, der die Studie an der Cornell Universität durchführte, glaubt, dass dies alles Teil einer “noch längeren Geschichte der Sprachevolution” ist.

In Barcelona untersuchten während dessen zwei Forscher an der Pompeu Fabra Universität das gestikulatorische Verhalten von Babies am Ende der ‘Brabbel’-Periode bis zum Anfang der ersten Wortbildung. In ihrer Forschungsarbeit, die im Februar 2014 veröffentlicht wurde, kommen sie zu dem Schluss, dass Kinder Sprache und Gestik koordinieren bevor sie überhaupt sprechen können.

“Das Studium von Sprache und menschlicher Kommunikation kann nicht allein durch die Analyse verbaler Sprache erfolgen,” erklärt Núria Esteve Gibert, eine der Forscherinnen, der SINC.

Die häufigste Gebärde, die Babies machen? Mit dem Finger zeigen.

Forscher aus dem Bundesstaat San Franciso beleuchteten das Ganze auf einer anderen Ebene, indem sie die Verbindung von Gebärden und Problemlösungsstrategien untersuchten. Eines ihrer Ergebnisse war, dass Kinder, die im täglichen Leben mehr gestikulieren besser mit bestimmten Aufgaben zurechtkommen.

Dies gelte für jedes Alter, behauptet Patricia Miller, Professorin für Psychologie und eine der Autorinnen der Forschungsstudie: “Sogar wir Erwachsenen verwenden manchmal Gesten, wenn wir versuchen unsere Steuerbelege oder unsere Schränke zu ordnen. Wenn unsere Gedanken sich überschlagen, nehmen wir unsere Hände zur Hilfe, um ein Teil der kognitiven Belastung abzugeben.”

 

Zur Theorie des ‘körperlichen’ Lernens

Diese Theorie hat wichtige Implikationen für unser Verständnis davon, wie wir Sprachen lernen.

Alles weist darauf hin, dass Lernen eine körperliche Aktivität ist, etwas, das eine komplexe Interaktion von Gehirn und Körper voraussetzt. Gesten sind demnach genausowenig nur körperlicher Natur, wie Gedanken nur reine Hirnleistungen.

(Um diese Theorie zu testen, muss man nur an jemanden denken, den man wirklich liebt oder hasst und darauf achten, wie der eigene Körper reagiert.)

Diese Auffassung vom Sprachenlernen ist ebenfalls die Basis für die Sprachlernmethode ‘Total Physical Response’, bei der Sprache durch Körperbewegung vermittelt wird.

Dies ist nicht nur etwas für Kinder. Erwachsene verhalten sich häufig unterbewusst auf ähnliche Weise, wenn sie eine neue Sprache lernen – unser Gedächtnis arbeitet viel über körperliche Assoziationen. Einige Leute nutzen etwa Handgesten, um verschiedene Töne in Sprachen, wie Vietnamesisch oder Mandarin zu üben.

Zugegeben, dies erklärt nicht, warum Italiener gerne ihre Hände benutzen, wenn sie sprechen. Aber vielleicht, ganz vielleicht, wissen sie schon seit langem, was die Wissenschaft gerade anfängt zu begreifen – dass es eine echte Hilfe fürs Gehirn ist die Hände zur Hilfe zu nehmen, wenn man etwas zum Ausdruck bringen will.

 

‘Sea Robin’ photo by Jojoe.photography / CC 2.0

 

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Comments

Ich finde es wunderbar, dass man heutzutage die Lernmethoden der Schulen umkrempelt. Bewegung ist mit Sicherheit das beste Mittel, nicht nur den Körper , auch den Geist damit wach und lernfähig zu erhalten.

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