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Das lateinische Alphabet vermitteln

Posted on December 13, 2016 by

Alpha

Dieser Artikel ist der dritte aus der Reihe Anleitung und Anregungen für den Deutschunterricht mit Geflüchteten – von Babbel. Die Artikel stellen Methoden für Lehrende vor, unabhängig von pädagogischen Vorerfahrungen. Die Artikelreihe fasst die Erfahrungen, die wir im Rahmen unserer Workshops für ehrenamtliche Lehrer gesammelt haben, zusammen. Veranstaltet werden die Workshops von den Babbel-Sprachlernexperten, insbesondere auch für ehrenamtlichen Deutschlehrer des Vereins Multitude e.V.

Wenn man das lateinische Alphabet schon beherrscht, kann man sich gar nicht vorstellen, wie mühsam es sein kann, jeden einzelnen Buchstaben richtig zu entziffern, auszusprechen und im Wort mit anderen Buchstaben zu verbinden. Erinnern wir uns doch mal an die erste Klasse und daran, wie wir mühselig jeden Buchstaben einzeln lernen, aussprechen und schließlich schreiben mussten. Das vergessen wir oft. In diesem Artikel stellen wir deshalb bewährte Methoden vor, mit denen das lateinische Alphabet umfassend und Schritt für Schritt vermittelt werden kann.

Zwei Methoden für die Alphabetisierung

Um das lateinische Alphabet zu vermitteln, gibt es zwei klassische Methoden: die visuelle und die phonologische Methode.

Die visuelle Methode:

Bei der visuellen Methode geht es um die Beziehung zwischen Buchstaben und ihrer Bedeutung. Ein Beispiel hierfür ist das japanische Zeichen für Person: 人. Dabei besteht das gesamte Wort aus nur einem Zeichen. Hier geht es nicht darum, einzelne Buchstaben zu erkennen und zusammenzufügen, sondern darum, ein Zeichen zu identifizieren und seine Bedeutung zu erkennen.

Die phonologische Methode:

Bei der phonologischen Methode geht es im Gegensatz darum, zu identifizieren, welche Buchstaben welchen Laut bilden. Diese Methode ist also geeigneter für das lateinische Alphabet. Beispielsweise kann anhand dieser Tabelle vermittelt werden, wie die einzelnen Buchstaben ausgesprochen werden:

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Effektive Übungen für den Alphabetisierungsunterricht

Um das lateinische Alphabet zu vermitteln, bieten sich im Unterricht mehrere Übungen an.

Buchstaben nach Gruppen lernen: Je nach Aussehen kann ein Buchstabe einer bestimmten Gruppe zugeteilt werden. Durch diese Einteilung kann der Lerner sich leichter an die unterschiedlichen Buchstaben erinnern und diese besser unterscheiden.
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Buchstaben mit phonologischem Fokus lernen: Um Buchstaben mit Lauten zu assoziieren, kann man zum Beispiel mit kurzen Wörtern üben, wie ja, Mama, elf, lang, gut, Tag, See, oder mit den Phonemen ba, be, bi, bo, bu. Dabei ist es sinnvoll, die Vokale zu wiederholen, weil diese am häufigsten vorkommen.

Buchstaben auf die Hände und in die Luft zeichnen: Der Lehrende zeigt, schreibt und/oder sagt einen Buchstaben. Daraufhin finden die Lernenden Wörter, die mit diesem Buchstaben anfangen. Der Lehrende kann auch einzelne Buchstaben auf Zetteln präsentieren und die Lernenden identifizieren den Buchstaben und sprechen ihn laut aus. Wenn die Lernenden noch gar kein Deutsch sprechen, können Wörter auch mit Bildern verbunden werden. Buchstaben können auch in der Luft visualisiert werden. Der Lehrende zeichnet die Buchstaben dabei mit einem Finger in die Luft und die Lernenden zeichnen den Buchstaben nach. Dabei kann der Bewegungsablauf erlernt werden. Am besten eignen sich all diese Übung kurz bevor man im Unterricht mit dem Schreiben beginnt.

Alle Übungen können auch etwas abgewandelt in Zweiergruppen durchgeführt werden. Dabei zeichnet zum Beispiel einer dem anderen einen Buchstaben auf die Hand. Der andere kann dann erraten, um welchen Buchstaben es sich handelt. Genauso kann auch die Übung mit dem Buchstabenschreiben in der Luft in Zweiergruppen durchgeführt werden.

Am wichtigsten sind jedoch die Schreibübungen mit Stift und Papier. Es ist wichtig, keine Angst davor zu haben, dass Übungen kindisch erscheinen können. Möglicherweise fühlt sich der eine oder andere sogar in seine Kindheit zurückversetzt, als er gelernt hat, in seiner Muttersprache zu schreiben.

Ein paar Beispiele für Schreibübungen: Im Diktat kann trainiert werden, die Linien von Buchstaben oder kleinen Phonemen zu schreiben. Das funktioniert auch in Zweiergruppen: Der eine sagt einen Buchstaben und der andere schreibt ihn auf oder der eine sagt ein Wort und der andere versucht, so viele Buchstaben wie möglich aus dem Wort aufzuschreiben.

Für die Lernenden ist es dabei wichtig zu verstehen, dass es verschiedene Schriftarten im lateinischen Alphabet gibt, damit ihr Gefühl für die Buchstaben sensibilisiert wird. Denn es gibt viele Möglichkeiten, einen Buchstaben zu schreiben. Hier ein paar Beispiele:

Alpha 2Auch ist es hilfreich, ganze Wörter in verschiedenen Schriftarten miteinander zu vergleichen:

Alpha 4Weitere abwechslungsreiche Übungen mit praktischem Bezug bietet das situationsbasierte Lernen. Hier kann beispielsweise anhand einer U-Bahn-Karte versucht werden, eine bestimmte Haltestelle zu finden, die der Lehrende vorgibt. Auch wenn die Lernenden den Namen vielleicht noch nicht ganz aussprechen können, ist es ihnen möglich, den Namen zu finden, indem sie ihn visualisieren und als Ganzes auf der Karte wiedererkennen.

Die Methode des visuellen Wiedererkennens funktioniert auch bei internationalen Wörtern, die in fast jeder Sprache ähnlich ausgesprochen werden, zum Beispiel Coca Cola, McDonald’s oder Facebook.

Viele arabische Muttersprachler kennen bereits die lateinischen Zahlen:

Alpha 5Wenn die Lernenden vollständig analphabetisch sind bzw. in diesem Fall Deutsch die erste Sprache ist, die sie zu lesen und schreiben lernen, ist ein anderer Einstieg sinnvoll. In diesem Fall kann man zum Beispiel mit Übungen anfangen, in denen erklärt wird, wie man einen Stift hält. Dann können Linien und Kurven auf einem Blatt gezeichnet werden. Dabei sollten die Lehrenden darauf achten, den Unterricht langsamer zu gestalten und öfter Wiederholungen einzubauen.

Aufbau des Alphabetisierungsunterrichts

Beim Aufbau von Unterrichtsstunden zur Alphabetisierung ist es wichtig, in jeder Stunde den Stoff aus der vergangenen Stunde zu wiederholen. Auf diese Weise wird auch Neulingen der Einstieg in weiter fortgeschrittene Unterrichtsstunden ermöglicht. Der Unterricht sollte dabei Großbuchstaben und deren Verwendung in Substantiven, Eigennamen und am Satzanfang sowie Kleinbuchstaben und deren Verwendung behandeln.

Habt ihr das auch schon ausprobiert? Wir würden uns sehr freuen, von euch zu hören! Teilt uns gern eure Erfahrungen unten mit!

 

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