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Die Verbindung von Träumen und Sprachenlernen

Posted on Juli 9, 2014 by

Träumen und Sprachenlernen
Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht über die Verbindung von Träumen und Sprachenlernen?
Man sagt, wer beginnt, in einer anderen Sprache zu träumen, fängt an, sie zu beherrschen. In den Achtzigern beobachtete der kanadische Psychologe Joseph de Koninck bei seinen Studienteilnehmern, die Französisch lernten, dass jene, die früher in ihren Träumen anfingen, Französisch zu sprechen, schnellere Lernfortschritte machten.
Aber waren sie schneller, weil sie träumten, oder träumten sie, weil sie schneller waren?

Psychologen und Neurowissenschaftler versuchen, den Zusammenhang zwischen Träumen und Sprachenlernen näher zu erforschen. Aber zu bestimmen, was tatsächlich während des Träumens passiert, ist eine sehr schwere Aufgabe. Manche Leute behaupten zwar, im Traum fließend eine Sprache zu sprechen, die sie im Wachzustand kaum beherrschen. Doch Träumer sind unzuverlässige Zeugen.
Das Unterbewusstsein ist zu erstaunlichen Dingen imstande, so etwa bei der Koma-Patientin, die ihre Muttersprache vergessen hatte und nur noch Deutsch sprach, nachdem sie wieder aufgewacht war. Vielleicht ist es so, dass das Gehirn beim Lernen einer Fremdsprache so beschäftigt damit ist, die neuen Informationen zu verdauen, dass das Bewusstsein nicht alles auf einmal aufnehmen kann – und vieles erst im Schlaf aus dem Unterbewusstsein zutage tritt.
Vielleicht aber auch nicht. Der springende Punkt ist, dass sich diese These bislang weder beweisen noch widerlegen lässt.
Ob Träume überhaupt einen psychologischen oder physiologischen Zweck haben, wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Häufig wird angenommen, dass das Träumen dabei hilft, Probleme zu lösen, Informationen zu verarbeiten, oder das loszuwerden, was das Gehirn nicht braucht.
 

Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem Schlaf umringt.

– William Shakespeare, The Tempest (Der Sturm)

 
Weil sich die Wissenschaft so schwer damit tut, Träume zu erklären, haftet ihnen immer noch  etwas Mysteriöses an. Damit erfüllen sie auch wichtige, kulturspezifische Funktionen: Man denke an Schamanen, die mithilfe von Träumen Menschen heilen oder die Zukunft vorhersagen, oder an die anhaltende Anziehungskraft der New-Age-Bewegung.
Vielleicht ist das Träumen in einer anderen Sprache der Ausdruck unseres Wunsches, sprachlich und kulturell „dazu zu gehören“. Ob man es nun als linguistischen Meilenstein betrachten mag oder nicht, es spiegelt auf jeden Fall das Bewusstsein für und die Beschäftigung mit der neuen Fremdsprache wider.

Lebe deinen Traum

Träumen und Sprachenlernen
Funktioniert denn das wortwörtliche Lernen im Schlaf (Hypnopädie), bei dem während des Schlafes Aufnahmen abgespielt werden, wirklich?
Um es kurz zu machen: nein. Die Wissenschaft hat Hypnopädie größtenteils als Humbug entlarvt. „Um komplexe Inhalte zu verarbeiten, braucht unser Gehirn eine Phase, in der äußere Reize ausgeschaltet sind“, sagt Jan Born, Schlafforscher an der Universität Tübingen. Florence Cardinal von der kanadischen National Sleep Foundation empfiehlt, vor dem Zubettgehen den Lehrstoff zu wiederholen und dann das Gehirn im Tiefschlaf die Arbeit machen zu lassen, das Gelernte im Gedächtnis zu verankern.
Im Durchschnitt schläft ein Mensch 75 Jahre lang jede Nacht acht Stunden. Das sind 220.000 Stunden Schlaf. Was, wenn man diese Zeit nun doch aktiv nutzen könnte?
Willkommen in der Welt des Klarträumens, oder luziden Träumens – wenn man im Traum merkt, dass man träumt und seinen Traum beeinflussen kann.
Dieser nicht unumstrittene Ausdruck wurde durch den niederländischen Psychologen Frederik van Eeden geprägt. Mittlerweile ist eine ganze Industrie gerne dabei behilflich, „die eigene Traumwelt zu erforschen, jede Fantasie zu erfüllen und das innere Genie zu entfesseln“ – natürlich gegen die ein oder andere Gebühr.
Es gibt allerdings wissenschaftliche Rückendeckung für das luzide Träumen. Der britische Psychologe Keith Hearne demonstrierte in den Siebzigern, dass man im Klartraumzustand bewusst die Augen bewegen kann. In weiterführenden Studien konnte Stephen LaBerge aus Stanford zeigen, dass sich die Gehirnaktivität während eines luziden Traums deutlich von der während eines „normalen“ Traums unterscheidet. Tatsächlich sehen Skeptiker das Klarträumen eher als meditativen Zustand, nicht als Schlaf.
Luzide Träumer räumen ein, dass man im Traum keine neuen Informationen lernen kann, etwa Wörter, die man zuvor noch nie gehört hat. Allerdings könne man bewusst die Entscheidung treffen, Vokabeln zu wiederholen, Verben zu konjugieren oder ein Gespräch mit einer ausgedachten Person zu führen.
Das ist so, als hätte man den Wiederhol-Manager von Babbel im Schlaf parat!
Oder man schaut bei Jan Born im Schlaflabor vorbei. Er hat entdeckt, dass sich das Erinnerungsvermögen seiner Studienteilnehmer um 8% verbesserte, wenn ihr Gehirn beim Schlafen mit Strom stimuliert wurde. Bitte nicht nachmachen! Außer im Traum.
In welchen Sprachen träumst du? Hattest du schon einmal einen luziden Traum? Wir freuen uns über deinen Kommentar!