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language learning in the digital age

Geflüchtete lernen Deutsch fürs tägliche Leben – mit SINGA Sprachcafé und Babbel

Posted on Juni 1, 2016 by

Flüchtlinge
Ze-bra-strei-fen“ sprechen Ismael, Sadeq, Ahmed und Aynob im Chor, während sie um einen Tisch im Sprachcafé sitzen, bevor sie lautstark über die richtige Aussprache diskutieren: Wird das Z“ wie ein S“ ausgesprochen? Im Arabischen gibt es kein Z. Kein leichtes Wort für den Anfang, doch die vier Geflüchteten aus Syrien und dem Irak lassen sich davon nicht entmutigen und sagen es immer wieder vor sich her. Ich versuche ein einfaches Synonym zu finden, um den Einstieg in unser Thema Besonderheiten im Straßenverkehr in Deutschland“ zu erleichtern: Fußgängerüberweg!“ – noch länger, noch schwieriger. Aber die Motivation der Lernenden reißt mich mit. Sie folgen all meinen Worten, um so viel Deutsch wie möglich in kürzester Zeit zu lernen.

Jeden Montag bringt das SINGA Sprachcafé in Berlin Neuangekommene und Deutschsprachige zusammen, die über das gemeinsame Sprachenlernen andere Menschen kennenlernen möchten. „Hier können sich Lernwillige zum Sprachaustausch treffen und so in Tandems oder in Gesprächsgruppen bei gemütlicher Atmosphäre Deutsch lernen, erklärt mir Luisa Seiler, Mitgründerin von SINGA Deutschland.
Diesen Montag sind auch wir von Babbel wieder dabei, um Gutscheine für unsere App an Flüchtlinge zu verteilen und um an den Gesprächsrunden teilzunehmen. Bereits in der letzten Woche wurden unsere Gutscheine sehr gut angenommen, viele Teilnehmer des Sprachcafés fingen sofort mit dem Lernen an und lernen noch immer sehr erfolgreich mit der Babbel-App.
Flüchtlinge
„Mit den Babbel-Sprachkursen und im SINGA Sprachcafé lerne ich die Sprache aus dem Leben, erzählt mir Nour aus Homs in Syrien. Er lächelt und erklärt weiter: „In meinem vorherigen Sprachunterricht lernte ich immer die Sprache aus dem Buch, doch hier lerne ich die Sprache aus dem Alltag. Zum Beispiel habe ich hier das Wort Spitzname gelernt. Die Kombination von SINGA und Babbel hat mir so sehr geholfen, auch da ich im Moment keine Zulassung für einen Sprachkurs habe.“ Nour ist Zahnarzt und berichtet stolz, dass er schon die Benennung aller Körperteile mit der Babbel Sprachlern-App gelernt hat.
Genau das ist es, was das SINGA Sprachcafé und Babbel verbindet: schnell Gespräche führen können, alltagsnahes, praxisorientiertes Lernen und das besonders effektiv. Ghayth aus Syrien, der selbst Geflüchteter und seit acht Monaten in Deutschland ist, plant den Inhalt der Sprachcafés und weiß aus eigener Erfahrung ganz genau, welche Themen den Neuangekommenen im Alltag besonders hilfreich sind: Wohnung, Verkehr, Liebe, Nachtleben, Politik und Religion. So können die Teilnehmer sich schnell zurechtfinden und einfache Gespräche führen.
Flüchtlinge
Luisa Seiler erklärt mir weiter, dass SINGA’s Vision auch über das Sprachenlernen hinausgeht: „Das Ziel ist es, die Gesellschaft inklusiver zu gestalten, über zwischenmenschliche Begegnungen und gleiche Leidenschaften zu verbinden und dies fassbar zu machen. Damit ist gemeint, dass man zum Beispiel einen lokalen Künstler mit einem neu angekommenen Kunsthandwerker zusammenbringt. Dabei ist wichtig, SINGA nicht als Programm zu verstehen, das von Helfern für Geflüchtete bereitgestellt wird, sondern alles wird mit ihnen zusammen entwickelt. Zum Sprachcafé kommen immer wieder neue Leute und je nach Interesse bringen sie sich ein oder schließen sich für neue Aktivitäten zusammen, so entsteht ein Netzwerk, eine SINGA-Community. Auf diese Weise entwickelten sich auch Projekte wie Travel around the city, wie mir Ghayth erzählt, bei denen sich Interessierte zum Shoppen oder zum Sportevent treffen, um ihre Sprachkenntnisse zusammen praktisch anzuwenden. Ganz aktuell ist das berufliche Mentoring Programm, das Neuangekommene und Deutsche aus ähnlichen Berufen zusammenbringt. Hierfür sucht SINGA momentan nach Mentoren, die Interesse daran haben, sich mit Geflüchteten über ihren Beruf und ihr berufliches Fortkommen in Deutschland auszutauschen.
Das Faszinierendste für Luisa Seiler bleibt nach sechs Wochen Sprachcafé die Neugier der Teilnehmer: „Ich bin verzaubert von der Schnelligkeit, mit der die Flüchtlinge Deutsch lernen. Auch mir fällt bei meinen Besuchen im Sprachcafé immer wieder auf, wie dankbar die Geflüchteten für jedes neue Wort sind, wie wissbegierig sie einem Text lauschen, wie sie einen Ausdruck still, nur durch die Bewegung ihrer Lippen nachsprechen, jedes neue Wort in ihr Vokabelheft eintragen.
Flüchtlinge
Während ich mich weiter mit Ismael, Sadeq, Ahmed und Aynob über das Thema Straßenverkehr austausche, erzählen sie mir, dass das Sprachcafé aus unterschiedlichen Gründen für sie sehr interessant ist. Sadeq findet die Kombination aus Babbel und Sprachcafé toll, weil er mit beiden lesen, hören, schreiben und sprechen lernt, und besonders das Ambiente des Cafés gefällt ihm. Er möchte Innenarchitektur studieren. Ahmed ist fasziniert von Babbel, da er damit unabhängig je nach Themenschwerpunkt bis zum Niveau B1/2 Deutsch lernen kann. Aynob ist es besonders wichtig, die deutsche Aussprache zu lernen, die für ihn einige gewöhnungsbedürftige Laute enthält. Dabei bietet ihm seine Muttersprache Arabisch, in der vielfältige Laute verwendet werden, eine sehr gute Voraussetzung, deutsche Wörter richtig auszusprechen. Ismael ist begeistert, weil er mit Babbel und SINGA trotz seines Babys, das seine ganze Aufmerksamkeit braucht, Deutsch lernen kann.
Ismael, Sadeq, Ahmed und Aynob treffen sich auch regelmäßig mit einer Volontärin des Sprachcafés, letztes Mal zum Beispiel am Wannsee – Ziel erreicht, denn auch sie haben sich im Sprachcafé kennengelernt, teilen die gleichen Leidenschaften und schließen sich für neue Aktivitäten zusammen.