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Gruselige Geistergeschichten: Wie man weltweit der Toten gedenkt

Posted on Oktober 26, 2017 by

Megan verstärkt seit diesem Sommer das Public-Relations-Team von Babbel. Hier erzählt sie uns von den Halloweentraditionen ihrer Kindheit im ländlichen Somerset in England sowie von einigen Bräuchen, von denen ihr Babbel-Kollegen aus aller Welt berichteten.

„Tausend Jahre alte Schatten erwachen erneut.

Verborg‘ne Stimmen raunen uns zu: Halloween ist heut‘!“

(Freie Übersetzung aus dem Englischen)

Dexter Kozen

 

 
Geister und Hexen, Fledermäuse und schwarze Katzen, Süßigkeiten, Streiche und Kürbisse ‒ das alles verbinden wir mit Halloween. Aus dem alten keltischen Fest Samhain (seit ca. 3350‒2800 v. Chr.) entwickelte sich in der Kirchengeschichte „Hallows-Eve“, der Abend vor Allerheiligen – ein Fest zum Gedenken der Toten. Die Kelten glaubten, dass am Abend des 31. Oktobers die Toten auf die Erde zurückkehrten. Deshalb versammelten sie sich jedes Jahr um diese Zeit, um Feuer zu entfachen, Rituale durchzuführen und zu feiern, in der Hoffnung, so die bösen Geister zu besänftigen und die eigene Familie für den kommenden Winter zu segnen.

 
 
 
UK, Halloween, Kalan Gwav in Cornwall, Calan Gaeaf in Wales, und Old Sauin oder Hop-tu-Naa auf der Isle of Man
Im neunten Jahrhundert n. Chr. wurden Traditionen des Samhain, einem heidnischen Fest der Kelten, stückweise mit dem kirchlichen Feiertag Allerheiligen verschmolzen – im Englischen gibt es immer noch die verschiedenen Bezeichnungen All Saint’s Day, Hallows’ Day, Hallowmas, Feast of all Saints und Solemnity of All Saints. Der Abend vor Allerheiligen war dabei All Hallows’ Eve, was in verkürzter Schreibweise zu Halloween wurde. An diesem Feiertag wird in der katholischen Kirche der Heiligen gedacht. Es ist ein Tag der Besinnung, an dem man über die Hölle nachsinnt und die Seelen betrauert, die dem Bösen verfielen.
Heutzutage klopfen jedes Jahr an diesem Abend kleine Geister und Hexen an die Tür, um Süßigkeiten zu erbitten. Aber wusstest du, dass diese gespenstischen Verkleidungen ursprünglich von den Kelten getragen wurden, um die umherstreifenden bösen Geister zu täuschen? Der Brauch der Androhung eines Streichs, falls man nichts Süßes bekommt („Trick or treat!“) wird im Englischen auch mit vielen anderen Verben bezeichnet, die die Wörter „Seele“ (souling), „Vermummen“ (mumming) oder in Schottland „Erscheinung“ bzw. „Verkleidung“ (guising) enthalten. Früher erbettelten die Armen am Abend vor Allerheiligen von den Reichen zudem ein Gebäck, das als „Seelenkuchen“ bezeichnet wurde. Die Familien blieben bis spät in die Nacht auf, um den Kuchen miteinander zu teilen und dafür zu beten, dass die herunterbrennenden Kerzen die wiederkehrenden Toten besänftigen sollten.
Erst ab den 1950er Jahren schnitzten Kinder Laternen aus großen Rote Beten (oder Rüben in Schottland), „Punkies“ genannt. Mit diesen zogen sie von Haus zu Haus und sangen den „Punkie Night Song“, baten anschließend um Kuchen oder Geld und boten im Gegenzug an, für den freundlichen Spender zu beten.
Wusstest du schon: In Derry, Nordirland, findet die größte Halloweenfeierlichkeit des Vereinigten Königreichs statt, mit Umzügen, Lagerfeuern, Feuerwerk und deftigen Speisen wie Colcannon (ein Eintopf aus Kohl) und Barmbrack (ein Früchtekuchen).
 
Mexiko, Día de los Muertos („Tag der Toten“)
Das mexikanische Fest der Toten ist eines der bekanntesten Totenfeste der Welt. Es entwickelte sich aus einem zweimonatigen aztekischen Fest, bei dem der Göttin Mictecacihuatl, auch Herrin der Toten, Essen, Alkohol, Blumen und Töpferwaren geopfert wurden, um die Ernte zu feiern und den Tod zu ehren. Heute sind die Días de los Muertos eine Mischung aus aztekischer Tradition und dem katholischen Feiertag, den die spanischen Eroberer einführten.
Vom 31. Oktober bis zum 2. November wird dabei jedes Haus farbenfroh mit Blumen, Fotos, Lebensmitteln und Getränken geschmückt. Die kurze Lebensdauer der Blumen steht für die Vergänglichkeit des Lebens, während bunte Wimpel, Bänder und Papierschlangen gleichzeitig an dessen Tatkraft und Freude erinnern. Die Familien stellen nicht nur Altäre, sondern auch ein Waschbecken und Seife auf, damit sich die Toten nach ihrer langen Reise waschen können. Räucherstäbchen weisen ihnen dabei den Weg nach Hause. Am letzten Tag des Festes treffen sich die Verwandten auf den Gräbern, um ein Picknick mit Tequila und einer Mariachi-Band zu veranstalten.
Wusstest du schon: : Die Umzüge auf Mexikos Straßen gehören zu den lebensfrohsten und lebendigsten Festen der Welt. Oft wird ein lebender Mensch in einem Sarg durch die Straßen getragen, in den Straßenhändler Blumen und Früchte werfen.
 
China, 盂蘭節, Yulan oder Zhongyuan (Geisterfest”)
In der taoistischen und buddhistischen Kultur wird 盂蘭節, das „Geisterfest”, begangen. Man glaubt, dass sich in der 15. Nacht des siebten Monats (Geistermonat) die Tore zur Hölle öffnen und verstorbene Geister 24 Stunden lang auf der Suche nach Essen und Trost ihr Unwesen treiben. Diese Geister sind Pretas – böse Seelen, die bei einem Unfall verstarben, nicht begraben wurden oder nach ihrem Tod nie eine Abschiedszeremonie  erhielten. Ihr Hals ist lang und spitz wie eine Nadel, da ihre Familien an ihrem Grab keine Lebensmittel für sie zurück ließen. Neben den Pretas kehren jedoch auch wohlgesonnene Geister zurück. Um diese zu besänftigen, verbrennen die Familien sogenanntes Geistergeld und Räucherstäbchen und bereiten ein ausgiebiges Mahl zu, bei dem an der Tafel Sitzplätze für die Geister freigelassen werden.
Wusstest du schon: Vierzehn Tage nach dem Fest lassen Familien Lotuslaternen auf einem Fluss oder auf dem Meer schwimmen, die die verlorenen Seelen ins nächste Leben geleiten sollen. Sobald die Laterne erlischt, ist die Seele im Jenseits weitergezogen.
 
Japan, 于蘭盆會 Obon („Laternenfest”)
Das Obon-Fest („Laternen-Fest“, 于蘭盆會 Sanskrit für „kopfüber hängen”) ist das japanische Fest, um das Leiden der Toten zu lindern. Auch Obon beginnt am 15.  Tag des siebten Monats, wenn tote Vorfahren ins Reich der Lebenden zurückkehren. Die Familien bereiten ein Fest vor und zünden bei Sonnenuntergang Laternen an, um die Geister nach Hause zu geleiten. Am letzten Tag des Fests werden die Laternen auf dem Meer schwimmen gelassen und große Lagerfeuer entfacht. Das Feuer und die Laternen geleiten die Geister zurück ins Jenseits, bis zu ihrer Rückkehr im nächsten Jahr.
Wusstest du schon: In einer alten Geschichte erschien einem  wichtigen Schüler Buddhas, Maha Maudgalyayana (Moggallāna oder japanisch Mokuren), eine Vision seiner verstorbenen Mutter im Jenseits. Entsetzt versuchte er daraufhin, sie aus der Zwischenwelt zwischen Leben und Tod zu befreien, und tanzte den Bon-Tanz oder Bon Odori, wodurch es ihm gelang, seiner Mutter den Übertritt ins nächste Leben zu ermöglichen. Heute tanzen japanische Familien Bon Odori, um sich an ihre Vorfahren zu erinnern und ihnen zu helfen, im Jenseits weiterzuziehen.
 
Nepal, गाई जात्रा Gai Jatra („Kuh-Fest”)
Beim Fest der Kuh wird Yamaraj, dem Gott über Leben und Tod, gehuldigt. Die Feierlichkeiten finden am ersten Tag von Gunla, den dunklen zwei Wochen des Mondmonats statt (d. h. in einem Zeitraum zwischen August und September). Jede Familie, die innerhalb des vorangegangenen Jahres ein Familienmitglied verloren hat, zieht mit einer Kuh durch die Straßen. Kühe sind im Hinduismus heilig und sollen den Toten dabei helfen, in den Himmel zu kommen.
Die Gai-Jatra-Parade wurde zum ersten Mal begangen, nachdem der nepalesische König Pratap Malla (1624 – 1674) seinen Sohn verloren hatte. Der König versuchte verzweifelt, seiner zutiefst unglücklichen Frau wieder ein Lächeln zu entlocken und bat deshalb sein Volk, kunstvolle Masken anzulegen und lustige Szenen vorzuführen. Als die Königin ihnen zusah, konnte sie tatsächlich wieder lächeln. Heute sind Kostüme und Farben immer noch ein wichtiger Bestandteil des Gai Jatra.
Wusstest du schon: Sollte man keine Kuh besitzen, kann auch ein kleiner Junge im Kuhkostüm als Ersatz dienen.
 
Indien, पितृ पक्ष Pitru Paksha („Monatshälfte der Ahnen”)
 Pitru Paksha ist ein Hindu-Fest zur Ehrung der Toten, das 16 Tage lang dauert und bei dem viel gegessen wird. Es findet in der zweiten paksha (Monatshälfte”) des Mondmonats Bhadrapada statt (d. h. der erste Vollmond des Septembers) und dauert bis zum nächsten Monat Sarvapitri amavasya oder Pitru Amavasya. Die zentrale Feierlichkeit ist dabei das Todesritual Shraddha oder Tarpan. Die Hindus glauben, dass die Toten drei Generationen lang in Pitru-loka, einem Reich zwischen Himmel und Erde, bei Yama, dem Gott der Toten, verweilen. Ein Sohn muss das Shraddha-Ritual durchführen, damit sein Ahne in den Himmel kommt. Der Sohn ruft seinen Ahnen an und bittet ihn, in einem Ring aus Kush-Hanf zu wohnen, den er an seinem Finger trägt. Wenn der Vorfahre mit der Durchführung des Rituals durch seinen Sohn zufrieden ist, wird er ihm Gesundheit, Wohlstand, Wissen, ein langes Leben und moksha (Erlösung”) schenken.
Wusstest du schon: Das Festessen muss Kheer (eine Art Milchreis), Lapsi (ein süßes Porridge aus Weizen), Reis, Dhal, Guarbohnen und einen gelben Kürbis enthalten.