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language learning in the digital age

Schwedischunterricht bei Babbel, mit Babbel

Posted on August 1, 2017 by

 

 

Elin, ursprünglich aus Schweden, ist Projektmanagerin für Schwedisch im Didaktik-Team von Babbel – jenes Team von Sprachexperten, das unsere Kurse erstellt und kontinuierlich optimiert. Elin spricht selbst mehrere Sprachen (drei, um genau zu sein) und hat große Freude daran, die Komplexität des Sprachenlernens zu analysieren und zu verstehen. Hier berichtet sie darüber, wie sie ihren Kollegen bei Babbel mithilfe des Blended-Learning-Ansatzes ihre Muttersprache Schwedisch beibringt.

 

In diesem Frühjahr konnte man im Babbel-Hauptsitz in Berlin Merkwürdiges beobachten: Auf einmal hörte man Deutsche, Kolumbianer, Briten und Italiener, die sich gegenseitig Hur mår du? Var bor du? oder Vill du fika? fragten, wenn sie sich an der Kaffeemaschine trafen. Sie alle waren Teil eines kleinen Experiments, bei welchem ich einigen meiner Kollegen Schwedisch beibrachte – bei Babbel, mit Babbel.

Der zwölfwöchige Schwedischkurs war nach dem Konzept des  Blended Learning, auch integriertes Lernen genannt, ausgerichtet: Selbstständiges Lernen mit der Babbel-App, das durch traditionellen Präsenzunterricht ergänzt wurde. Die Kursteilnehmer bearbeiteten eine Schwedisch-Lerneinheit pro Woche. Jeden zweiten Dienstag trafen wir uns dann, um das, was sie mit der App gelernt hatten, zu wiederholen und beim Sprechen praktisch anzuwenden. Diese Methode wird auch umgedrehter Unterricht genannt: Die Teilnehmer bereiten sich zunächst für den Unterricht vor – zum Beispiel mit Online-Lernmaterial –, während der Präsenzunterricht dann zur Vertiefung der Sprechfertigkeit und zur Wiederholung des selbstständig Gelernten dient. Auf diese Weise wird das Konzept von Hausaufgaben (die ja zugegebenermaßen etwas in Verruf geraten sind) umgekehrt und neu definiert.

Der größte Vorteil eines Sprachkurses mit Blended Learning ist für einen Lehrer die Zeitersparnis. Wenn die Teilnehmer die Vokabeln und die Grammatik zu Hause lernen, kann man sich das zunutze machen, was eine App am besten kann (zum Beispiel Vokabeln üben und wiederholen), während man gleichzeitig von dem profitiert, was ein Lehrer am besten kann, wie zum Beispiel Fehler korrigieren und die gesprochene Kommunikation fördern. Mit einer App zu lernen, bietet außerdem den Vorteil der maximalen Flexibilität: Die Sprachlerner entscheiden selbst, wann, wo und wie sie den Lernstoff erarbeiten und wiederholen wollen. Auf diese Weise kann der Präsenzunterricht so effizient wie nur möglich eingesetzt werden.

Im Unterricht fragte ich die Kursteilnehmer, ob sie irgendetwas in den Lerneinheiten nicht verstanden hätten oder ob sie etwas davon detaillierter betrachten wollten. Dann wiederholten wir kurz die in der entsprechenden Lerneinheit behandelten Vokabeln und Grammatikthemen, um uns anschließend mit verschiedenen Konversationsübungen zu befassen. Wenn jeder gut vorbereitet zum Unterricht kommt, dann kann man sich ganz auf das Trainieren der Sprechfertigkeit konzentrieren – jener Fertigkeit, die man beim Selbststudium mit einer App nur sehr schwer weiterentwickeln und evaluieren kann.

Was haben die Kursteilnehmer in 12 Wochen gelernt?

Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht, wie viele Leute gerne Schwedisch lernen wollten, besonders in Anbetracht dessen, wie viel man in seiner freien Zeit dafür tun muss. Im Endeffekt haben sich zwanzig Leute angemeldet und zehn tapfere Schwedisch-Enthusiasten haben bis zum bitteren Ende durchgehalten. Einen Anfängerkurs und sechs Unterrichtseinheiten später war ich überrascht und begeistert, wie viel meine Kollegen schon auf Schwedisch sagen konnten. Eines der Highlights war ein Rollenspiel in Form eines fiktiven Restaurantbesuchs, bei dem die Kursteilnehmer Essen bestellten, sich darüber beschwerten (was jedoch eine halbwegs unrealistische Situation ist – den meisten Schweden ist es viel zu peinlich, sich zu beschweren), mit den anderen Anwesenden am Tisch plauderten und am Ende sogar aushandelten, wer die Rechnung bezahlte – und das alles auf Schwedisch!

Wenn man gerade erst angefangen hat, eine Sprache zu lernen, verfügt man nur über ein sehr kleines aktives Vokabular. Deshalb war ich ziemlich verblüfft zu sehen, wie meine Kollegen einzelne Wörter und Phrasen aus verschiedenen Lerneinheiten zu vollen, (fast) korrekten Sätzen zusammensetzten. Sprachlerner sind in dieser Hinsicht wie Kinder: Sie brauchen eine sichere Umgebung, eine Spielwiese, um neue Dinge auszuprobieren. Für einen selbstständigen Lerner kann es sehr schwer sein, diese Spielwiese zu finden, aber ich glaube, man sollte die Sprache dennoch so schnell wie möglich mit hinaus in die reale Welt nehmen – auch wenn dies bedeutet, dass man in den ersten Wochen vielleicht nur beim Kochen mit sich selber spricht. Wenn man sich daran gewöhnt, seine Stimme in einer neuen Sprache zu hören, dann kann das einem das Selbstvertrauen geben, was man für kommunikative Situationen des Alltagslebens braucht.

Was hast du durch den Unterricht über Schwedisch gelernt?

Der Unterricht war für mich ein Indikator dafür, wie gut die Babbel-Kurse tatsächlich funktionieren. Außerdem wollte ich meine Lehrkompetenzen verbessern und herausfinden, ob sich bestimmte Aspekte als problematisch herausstellen würden – Aspekte des Schwedischen im Allgemeinen, aber auch Aspekte des traditionellen Schwedischunterrichts und der Art, wie Schwedisch in unseren Babbel-Lerninhalten unterrichtet und präsentiert wird. Ich war nicht besonders überrascht, als sich letztendlich herausstellte: Das größte Problem ist die Aussprache! Obwohl Babbel eine der wenigen Sprachlern-Apps ist, die sich nicht nur auf Hör- und Nachsprechübungen beschränkt, sondern auch ganz explizit Ausspracheregeln behandelt, bleibt die Aussprache ein schwieriges Thema. Und das, wo Schwedischlerner doch eigentlich viel Übung und Feedback zu ihrer Aussprache brauchen.

Ich freue mich jetzt auf die Herausforderung, einige der Unterrichtsmethoden zum Aussprachetraining in die Online-Lerneinheiten der Babbel-App zu implementieren. In der allerersten Unterrichtsstunde zum Beispiel habe ich den Lernenden gesagt, sie sollen sich nicht wegen der richtigen Schreibweise verrückt machen, sondern sich lieber auf die Aussprache konzentrieren. Das ist eine Botschaft, die auch in den einzelnen Lerneinheiten der App vermittelt werden soll!

Zusammen haben wir auch einige Vokabeln entdeckt, die für das Erreichen bestimmter kommunikativer Ziele nötig sind, die aber in den Lerneinheiten noch fehlen. Diese Vokabeln sollen in Zukunft in den Kursen besprochen werden. Wir glauben, dass Kommunikation der Hauptgrund dafür ist, dass man eine Fremdsprache lernt, deshalb stellen wir die Lerninhalte nach Situationen des täglichen Lebens zusammen, wie zum Beispiel “Essen bestellen” oder “Smalltalk über die Familie”. Aus diesem Grund ging es auch in jeder Unterrichtseinheit darum, in einer Alltagssituation zu bestehen, sprich: die gelernten Phrasen auszuprobieren, auf die der Gesprächspartner dann reagieren muss. Einer der Kursteilnehmer, Sam, sagte, der größte Vorteil, den der Präsenzunterricht gegenüber dem rein app-basierten Lernen mit sich bringt, sei der, dass man sich daran gewöhnt, instinktiv auf Schwedisch zu antworten.

Blended Learning und umgedrehter Unterricht sind großartige Methoden für Lehrer, die die Unterrichtszeit für die Wiederholung des Stoffes, die individuelle Unterstützung der Lerner und das Training kommunikativer Fertigkeiten verwenden möchten. Auch für Sprachlerner bietet sich dieser Lernansatz an – zumal auch selbstständige Lerner davon profitieren können, indem sie das Lernen mit einer Sprachlern-App gezielt mit Gelegenheiten kombinieren, bei denen sie die freie Sprachproduktion trainieren können. So kann man sich beispielsweise einen Tandempartner suchen oder sich mit anderen Sprachenlernern zusammentun – um jene Spielwiese zu finden, die einem dabei hilft, eine neue Sprache schon bald konversationssicher zu beherrschen.

 

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