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Semikommunikation in Skandinavien

Posted on May 20, 2015 by

scandinavian

Elin Asklöv betreut die Schwedisch- und Dänischkurse bei Babbel. Ursprünglich kommt sie aus Linköping in Südschweden, lebt aber inzwischen in Berlin. Hier erzählt sie uns aus ihrer schwedischen Perspektive, wie Kommunikation zwischen den Einwohnern aus drei der skandinavischen Länder funktioniert (oder manchmal auch nicht).

„Norwegisch ist schwedisch ausgesprochenes Dänisch“, sagte der amerikanische Linguist Einar Haugen einmal. Und tatsächlich haben diese drei skandinavischen Sprachen so viel gemeinsam, dass sie fast als Dialekte gelten könnten. Dänisch und Norwegisch haben einen vergleichbaren Wortschatz, während Norwegisch und Schwedisch sehr ähnlich klingen. Gibt es skandinavische Sprachen also immer im Sonderangebot – „bezahl eine, nimm drei“? Kann ich eine der Sprachen lernen und mich dann überall von Lolland bis Spitzbergen verständlich machen? Nun ja, so in der Art …

Semikommunikation

Auf den ersten Blick sieht es nach Ärger im Paradies aus. Schweden und Norweger neigen zu der Ansicht, dass die Dänen unverständlich sprechen, und es gibt unzählige Witze über die dänische Aussprache, zum Beispiel dass betrunkene Norweger perfekt Dänisch sprechen können. Norweger können dänische Texte lesen und sich problemlos mit Schweden unterhalten, umgekehrt ist es jedoch wesentlich schwieriger. Und wir Schweden? Tja, wir finden uns in Kopenhagener Bars wieder, ohne die leiseste Ahnung zu haben, wo ein Wort endet und das nächste beginnt, bis nach einer Weile alle aufgeben und zum Englischen übergehen.

Aber mit etwas gutem Willen, ein bisschen Geduld und einem Minimum an Verständnis für die jeweiligen Unterschiede können die Sprecher zweier verschiedener skandinavischer Sprachen miteinander kommunizieren. Dieses Phänomen wird „Semikommunikation“ genannt und ist nicht nur in Skandinavien verbreitet, sondern auch zwischen Sprechern des Tschechischen und Slowakischen oder des Russischen und Ukrainischen. Allerdings müssen einige Bedingungen erfüllt sein, damit Semikommunikation funktioniert. Die Sprachen müssen eng verwandt sein und über eine ähnliche Grammatik verfügen, der Wortschatz darf sich nicht zu sehr unterscheiden und – das ist am wichtigsten – die Sprecher müssen tolerant, flexibel und gewillt sein, den anderen zu verstehen. Auch bei sogenannten „falschen Freunden“ ist Vorsicht geboten. Wenn ein Schwede und ein Norweger gemeinsam etwas unternehmen wollen, das roligt ist, wird der Schwede sich eine Menge Spaß davon versprechen, während der Norweger sich auf etwas Ruhiges und Entspanntes freut.

Studien haben gezeigt, dass die Norweger klar im Vorteil sind, wenn es darum geht, die Sprachen ihrer Nachbarländer zu verstehen, die sie übrigens beide auch aus dem Fernsehen und Radio gewohnt sind. Zum einen liegt das am Status der norwegischen Sprache als „Mittelding“ zwischen den anderen beiden skandinavischen Sprachen – in geschriebener Form ist sie dem Dänischen sehr nah, aber die Aussprache ist dem Schwedischen ähnlicher. Zum anderen liegt es auch daran, dass das Norwegische selbst über eine Vielzahl von Dialekten verfügt. Norweger verstehen also quasi gezwungenermaßen Menschen, die anders als sie sprechen, sonst könnten sie nicht einmal innerhalb ihres eigenen Landes verreisen.

Was ist mit dem Dänischen?

Dänisch und Norwegisch sehen geschrieben fast gleich aus, also sollte die Kommunikation ein Kinderspiel sein, oder? Sehen wir uns einmal diesen klassischen Zungenbrecher über Schafe an, die keine Schafe, sondern Lämmer bekommen:

Dänisch: Far, får får får? Nej, får får ikke får, får får lam.

Norwegisch: Far, får får får? Nei, får får ikke får, får får lam.

Und so klingt dann das Ganze :

Dänisch:

Und Norwegisch:

 

Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert war Norwegen ein Teil von Dänemark, und in dieser Zeit mussten alle offiziellen Dokumente auf Dänisch verfasst werden. Das Dänische hat jedoch niemals seinen Weg in die gesprochene Sprache gefunden, und die geographische Nähe zu Schweden hat hier eine größere Rolle gespielt. Deshalb wird man bei einer Unterhaltung zwischen einem Norweger und einem Dänen häufig „hva?“ hören, doch sobald sich die beiden stattdessen ihre Handys schnappen und Textnachrichten schreiben, sind die Kommunikationsprobleme verschwunden.

Mit anderen Worten: Wegen seiner Aussprache ist das Dänische das schwarze Schaf in diesem Trio. In der Tat gibt es große Unterschiede zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Dänisch: Wörter werden verkürzt, Konsonanten erweicht und die Endungen fast verschluckt. Um die Sache noch schwieriger zu machen, enden viele Wörter auf einen sogenannten stød, die dänische Variante eines  Glottisschlags. Schweden und Norwegern kommen viele der dänischen Ausspracheregeln vollkommen willkürlich vor, aber das liegt hauptsächlich daran, dass wir die Grundregeln nie gelernt haben – zum Beispiel, dass „eg“ wie „ei“ ausgesprochen wird, „af“ wie „au“ und „øg“ wie „oi“.

Hör zu und sprich nach!

Und was lernen wir daraus? Also, zuerst einmal, dass wir unsere Fähigkeit zum Zuhören trainieren sollten. Mach es wie die Norweger und sei offen gegenüber anderen Sprachen und Dialekten. Sprache ist schließlich nicht nur geschriebener Text. Wenn das so wäre, wären Norwegisch und Dänisch so ziemlich das Gleiche. Aber wie wir alle wissen, ist die schwierigste Hürde beim Sprachenlernen das eigentliche Sprechen. Der beste Tipp – vor allem für diejenigen, die am Dänischen verzweifeln – einfach so lange nachsprechen, bis du es hinbekommst. Und dabei Spaß haben!

Hierfür sind die Zungenbrecher-Kurse von Babbel ideal, zum Beispiel unser neuer Kurs für norwegische Zungenbrecher (der dänische wird im Juni herauskommen, es lohnt sich also, dann wieder reinzuschauen!). Hier kannst du unseren Muttersprachlern bei kurzen, witzigen Sätzen zuhören und versuchen, dir beim Nachsprechen nicht die Zunge zu brechen. Die erste Lektion ist kostenlos! Und wenn du die dänische Aussprache und ihre Regeln lernen möchtest (wie gesagt, es gibt wirklich Regeln!), probier mal unsere dänischen Aussprachekurse aus!

Und hier findest du ein paar Zungenbrecher in anderen Sprachen, die du bei Babbel lernen kannst:

 

Was sind deine Erfahrungen mit erfolgreicher (oder auch gescheiterter) Semikommunikation? Schreib uns einfach einen Kommentar!

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