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language learning in the digital age

Sprachen lernen wie ein Kind?

Posted on August 12, 2015 by

lernen wie ein Kind

Eine neue Sprache zu lernen kostet Zeit, ein gewisses Maß an Engagement, häufig Geld – und manchmal auch noch Nerven. Da wäre es doch viel schöner zu lernen wie ein Kind, also quasi nebenbei und ohne eigenes Zutun – “intuitiv” ist hier das Zauberwort. Aber kann der Erwerb einer Fremdsprache ab einem gewissen Alter wirklich noch so ablaufen wie bei jemandem, der gerade zum ersten Mal sprechen lernt? Und: Wollen wir das wirklich? Schauen wir uns dazu doch einmal an, wie Kinder sich ihre erste Sprache aneignen (die Fremdsprachenforschung nennt dies passenderweise auch die “Erstsprache”), und wie wir im Vergleich dazu in späterem Alter weitere Sprachen lernen (hier spricht die Fremdsprachenforschung häufig von der “Zweitsprache” oder “Fremdsprache”, je nachdem, wofür man diese Sprache braucht).

 

Die Erstsprache: Input und Zeit

Das Erwerben einer Erstsprache, der sogenannten “Muttersprache”, ist ein faszinierendes Phänomen, das schon seit langem erforscht, beschrieben und diskutiert wird – und über das dementsprechend natürlich keine Einigkeit herrscht. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, wie es möglich ist, ohne Sprache eine Sprache zu lernen – also ohne jene Fähigkeiten und Konzepte, die sich ausbilden, nachdem man die Welt bereits sprachlich erfahren hat. Fakt ist jedoch, dass wir als Kind egal welche Sprache (seien es Spanisch, Mandarin oder Papiamentu) unabhängig von der uns gegebenen “Intelligenz” oder “Begabung” im Laufe von einigen Jahren in der Regel auf Muttersprachniveau erlernen. Interessanterweise durchlaufen dabei alle ähnliche Stufen bei der Ausbildung von Lauten und grammatischen Strukturen, ob es sich nun um Englisch oder eine für ältere Lerner schwer zu meisternde Sprache wie zum Beispiel Finnisch handelt. Diese Entwicklung geschieht ohne Anleitung, quasi “wie von alleine” einfach nur dadurch, dass das Kind der Sprache ausgesetzt ist – also keine unliebsamen Grammatikerklärungen und kein mühseliges Vokabelpauken, noch nicht einmal Korrektur ist hier vonnöten, denn, wie herausgefunden wurde: das Korrigieren von “Sprachfehlern” bei Kleinkindern beschleunigt ihre sprachliche Entwicklung nicht. Alles, was für den Erstspracherwerb benötig wird, sind Input und Zeit.

 

Die Zweitsprache: das Aha-Erlebnis

Für den Erstspracherwerb gibt es jedoch ein zeitliches Fenster: Man muss der Sprache im Idealfall vor dem Alter von drei, in manchen Fällen vielleicht auch noch fünf oder mehr Jahren intensiv ausgesetzt sein (was nicht bedeutet, dass man in diesem Alter eine Sprache bereits vollständig beherrscht!). Ab der Pubertät nimmt die sprachliche Entwicklung dann nochmal rasant ab. Man kann zwar mehrere Erstsprachen haben (was wir als “Bilingualismus”/”Zweisprachigkeit” oder “Multilingualismus”/”Mehrsprachigkeit” bezeichnen), aber ab einem bestimmten Zeitpunkt ist es nicht mehr möglich, eine Sprache zu lernen wie ein Kind, nämlich auf Muttersprachniveau und nur über sprachlichen Input. Und mal ehrlich: Wie frustrierend wäre das auch! Sobald sich bestimmte Vernetzungen und Verknüpfungen im Gehirn ausgebildet haben, wollen diese auch beansprucht werden. Wer möchte es missen, dieses Aha-Erlebnis, etwas verstanden zu haben, selbst wenn man es vielleicht nicht immer gleich anwenden kann und es sich noch in den praktischen Gebrauch “einschleifen” muss. Erwachsene lernen viel effektiver, wenn sprachlicher Input mit dem Wissen und den Fähigkeiten, die sie im Gegensatz zu Kleinkindern haben, kombiniert werden – schließlich braucht man beim Zweitspracherwerb in der Regel nicht erst ein Jahr, bevor man die ersten verständlichen Wörter produzieren kann … Schauen wir uns den Zweitspracherwerb also einmal genauer an.

Was den Zweitspracherwerb grundlegend vom Erstspracherwerb unterscheidet, ist der Vorsprung von (mindestens) einer Sprache: Wir haben uns die Welt bereits sprachlich erschlossen, und so wird eine Zweitsprache immer vor dem Hintergrund der Erstsprache(n) erworben – was man auch ganz klar an den Fehlern beobachten kann, die Lerner machen. Zum Beispiel verwenden viele Deutsche, wenn sie von ihrem englischsprachigen Gegenüber etwas “bekommen” möchten, auf Englisch das Verb “to become” (also “werden”). “Kann ich bitte ein Bier bekommen?” wird so schnell zu: “Can I become a beer, please?” – “I hope not, sir!”, hoffentlich nicht … Neben diesen sogenannten “falschen Freunden” passieren solche Fehler auch bei der Grammatik. Umgekehrt kann einem die Erstsprache aber genauso das Erlernen einer weiteren Sprache erleichtern. Sprachen sind miteinander verwandt, und französischsprachigen Lernern wird zum Beispiel das Erlernen einer weiteren romanischen Sprache wie Spanisch vergleichsweise leichter fallen als Deutsch- oder Englischmuttersprachlern. So oder so: für Lerner einer Zweitsprache ist es eine wichtige Stütze, auf Unterschiede wie auch auf Ähnlichkeiten zwischen ihrer Muttersprache und der Fremdsprache hingewiesen zu werden.

 

Sprachen lernen mit Babbel

Diese Erkenntnisse zum Zweitsprachenerwerb nimmt Babbel sich zu Herzen: Je nach Bedarf gibt es unterschiedliche Kurse, ob man nun einfach nur ein paar hilfreiche Formulierungen und landeskundliche Tipps für den Urlaub braucht, oder die Sprache von Grund auf lernen möchte. In Anfängerkursen wird der Lerner der innerhalb einer Lektion eingeführten Grammatik einerseits wie Kinder beim Erstspracherwerb passiv ausgesetzt, aber sie wird ihm auch erklärt, während er die Strukturen an Beispielen einübt. Um dem Frust vorzubeugen, nichts zu verstehen, haben die meisten Übungen je nach Niveau Übersetzungen, und, wo es Sinn macht, auch wörtliche Angaben, um sich bewusst zu machen, wie die Lernsprache im Gegensatz zur eigenen Sprache funktioniert – also immer vor dem Hintergrund der Ausgangssprache, die man eingestellt hat, um die Sprache seiner Wahl zu lernen. Dazu werden unsere Kurse nicht einfach übersetzt, sondern adaptiert, also an die Voraussetzungen der jeweiligen Ausgangssprache des Lerners angepasst. Portugiesischsprachige Lerner haben nämlich ganz andere Voraussetzungen, um Spanisch zu lernen, als Deutschmuttersprachler – viele Erklärungen sind hier überflüssig, da die Struktur beider Sprachen sehr ähnlich ist. Nicht zuletzt ist Korrektur ein wichtiger Bestandteil im Lernprozess älterer Lerner. Fehler sind eine Chance, zu sehen, wo man noch weiteren Lernbedarf hat, aber auch eine Merkhilfe, dank der man es beim nächsten Mal richtig macht. Bei Babbel wird dir angezeigt, wo du nicht richtig liegst, und mit der Option “Fehler ausbügeln” am Ende einer Lektion kannst du nochmal gezielt die Problemstellen üben, wenn du es möchtest. Eine neue Sprache zu lernen heißt schließlich nicht automatisch, den Spaßfaktor auszuschließen – dieser ist bei Lernern einer Zweitsprache ein wichtiger Motivator und darf deshalb nicht vernachlässigt werden. Viel Spaß also beim Sprachen lernen!

 

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