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language learning in the digital age

Babbel-Aufbaukurse: Was heißt A-B-C und was machen wir besser als die anderen?

Posted on July 30, 2013 by

A1, A2, B1, B2, C1, C2. So heißen Sprachniveaus seit einigen Jahren in Europa. Aber wofür stehen sie? Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER) des Europarats benennt mit A1/A2 die Anfängerniveaus, mit B1/B2 die Mittelstufe und mit C1/C2 die fortgeschrittenen Niveaus.

Vor Einführung des GERs wurde Sprachkompetenz in erster Linie durch Grammatik- und Wortschatzwissen getestet, also: Können Lerner korrekt übersetzen, grammatische Formen bilden und beherrschen sie die Rechtschreibung? Digitale Lernprodukte dieser Tradition lassen auf allen Niveaustufen gerne Vokabeln und grammatische Formen in Lücken füllen – je höher das Niveau, desto komplizierter der Wortschatz oder die Grammatik. Aber leider kann ein Grammatikspezialist mit Wörterbuch-Wissen nicht unbedingt in der echten Welt kommunizieren; das weiß jeder, der in der Schule gute Noten in einer Fremdsprache hatte und im Ausland trotzdem kein Wort herausbringt.

Der GER hat einen anderen Ansatz: Die Sprachniveaus A1 bis C2 bilden ab, wie gut Lerner in verschiedenen echten Kommunikationssituationen zurechtkommen, und zwar in den Kompetenzen Lesen, Hören, Sprechen und Schreiben. Ein paar Beispiele der Fertigkeit “Schreiben”: Auf Niveau A1 kann man Formulare ausfüllen, auf B1 einen kurzen Brief über vertraute Themen schreiben, auf C1 schon einen Aufsatz über komplexe Sachverhalte.

Der GER fokussiert also auf Kommunikation und Handlungsorientierung. Die Niveaubeschreibungen für A1-C2 nennen daher weder bestimmte Grammatikpunkte, noch bestimmte Vokabeln. Gerade Selbstlerner müssen auf Anfängerniveau allerdings eine Grammatik- und Wortschatzbasis aufbauen. Denn ihnen muss klar werden, wie ihre neue Sprache funktioniert und sie brauchen ein paar Vokabelbrocken, um selbst erste Kommunikationssituationen (noch mit kurzen, oft auswendig gelernten Sätzen) bestehen.

Was hat das nun mit Babbel zu tun? Mit unseren Anfängerkursen 1 bis 6 erreicht man Niveau A2. Das ist übrigens das Sprach-Level, auf dem die Meisten nach ein paar Jahren Schulunterricht stehen bzw. standen. Dieses Jahr veröffentlichen wir (nach und nach für verschiedene Sprachen) unsere Aufbaukurse, mit denen man Schritt für Schritt die Kompetenzen des GER-Niveaus B1 trainiert.

In den Babbel-Anfängerkursen stehen die wichtigsten Grammatik- und Wortschatzthemen im Zentrum, jedoch immer handlungsorientiert an authentischen Kommunikationssituationen ausgerichtet. In den neuen Aufbaukursen ist der Fokus umgekehrt: Grammatik- und Wortschatzaufgaben sind ab jetzt stark reduziert und der Schwerpunkt liegt auf Handlung, also selbst lesen, hören, sprechen, schreiben in konkreten Alltagssituationen.

In jeder Lerneinheit der Aufbaukurse erzählen wir eine Geschichte, anhand der die vier Fertigkeiten trainiert werden. In Teil 1 geht es vor allem um’s Hören und Sprechen: Nach einer kurzen Wortschatzeinführung gibt es Diktate, Hörverständnistexte, Ausspracheübungen mit Spracherkennung – und zum Abschluss wird innerhalb der Storyline eine Sprecherrolle in einem Dialog übernommen. In Teil 2 wird geht es mit Lesen und Schreiben weiter: mit Übersetzungsübungen, Leseverständnistexten und Aufgaben zum freien Schreiben, immer innerhalb der Geschichte. Grammatik wird in Teil 1 jeder Lerneinheit implizit über den Wortschatz eingeführt und in Teil 2 erklärt sowie mit Hilfe der Lese- und Schreibaufgaben trainiert.

Während die meisten Sprachlernprodukte auf Mittelstufenniveau nur komplizierte Vokabeln und Grammatikkonstruktionen in Lücken füllen lassen, vermitteln unsere Babbel-Aufbaukurse echte Kommunikationsfertigkeiten.

Probiert unsere Aufbaukurse für Französisch und Englisch aus!

Über die Autorin: Miriam erarbeitete schon für verschiedene Bildungsanbieter Lernmedien mit kommunikativer Sprachdidaktik: von Material für Präsenzkurse über Print und CDs zu Onlinekursen und Apps. Sie ist seit vier Jahren bei Babbel und leitet die Redaktion.

Wie man Sprachen lernt und behält: Der Babbel-Methodenmix

Posted on February 29, 2012 by

Miriam – unsere Redaktionsleiterin – wurde gebeten, einen Artikel für ein E-Learning Buch zu schreiben. Hier ist die Zusammenfassung Ihres Kapitels “Babbel: didaktischer Methodenmix für digitale Sprachkurse”.

“Wie funktioniert das Lernen mit Babbel eigentlich?” fragte mich Ullrich Dittler, Professor für interaktive Medien, für sein Buch E-Learning. Einsatzkonzepte und Erfolgsfaktoren des Lernens mit digitalen Medien. Die Antwort: Babbel ist so effektiv, weil wir nicht auf nur eine Lernmethode zurückgreifen. Stattdessen haben wir einen umfassenden Methodenmix entwickelt, der den verschiedenen Lernbedürfnissen unserer User entgegenkommt:


Wörter imitieren und trainieren:
Bei uns kann man alle neuen Vokabeln durch Hören und Nachsprechen üben – das verankert sie im Gedächtnis und trainiert gleichzeitig die Aussprache. Anschließend wird die Wortbedeutung zugeordnet (die durch Bild und Übersetzung eindeutig klar ist) und die Vokabeln werden geschrieben. Die Wörter werden also nach dem immer gleichen Muster “gedrillt”. Diese so genannten “Pattern Drill”-Aufgaben werden der behavioristischen Sprachdidaktik zugeordnet.

 

Kleine, bunte Vokabelportionen: Neuer Wortschatz wird in kleinen Einheiten von drei bis vier Vokabeln oder Chunks (Sinneinheiten wie z. B. “Ich heiße …” oder “Ich komme aus …”) eingeführt – viel mehr kann nämlich nicht auf einmal im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden. Der Wortschatz wird mehrstufig trainiert (nachsprechen, Übersetzung zuordnen, schreiben), anschließend beschäftigt man sich mit einer oder zwei weiteren Einheiten. Die Einheiten stammen immer aus einem gemeinsamen Wortfeld, durch diese inhaltliche Vernetzung kann man sie sich gut merken. Alle Vokabeln sind bebildert, dadurch werden sie von vielen Lernenden besonders leicht erinnert.

In sinnvollen Zeitabständen wiederholen: Der neue Wortschatz wird automatisch in den Wiederhol-Manager überführt. Dort wird er nach dem “Spaced Repetition”-Verfahren in wachsenden Zeitabständen immer wieder abgefragt, bis er fehlerfrei sitzt.

 

Regelerklärungen: Wir sind überzeugt, dass erwachsene Lerner die Regeln einer neuen Sprache verstehen wollen, weil sie nicht (wie Kinder) durch bloßes Imitieren lernen. Deswegen enthalten die Kurse viele Erklärungen zu Grammatik, Aussprache und Wortschatz in der Muttersprache der Lerner. Unsere Kurse werden sprachkontrastiv entwickelt, Regeln werden also für jede Muttersprache und Lernsprache separat formuliert (ein Deutscher lernt anders Spanisch als eine Italienerin). Die Erkenntnisse zu Informationsverarbeitung und Gedächtnis der letzten drei Punkte stammen aus der kognitivistischen Sprachdidaktik.

 

Freies Lernen: Unsere User wählen aus einer großen Menge an Kursen und Lektionen aus, was sie besonders interessiert. Manche arbeiten am liebsten die Anfängerkurse nacheinander durch, andere surfen immer wieder durch die Kursübersicht und picken sich nach Lust und Laune spontan etwas heraus. Die individuellen Lerninhalte bearbeitet jeder in seinem persönlichen Tempo. In der Community lässt sich frei anwenden, was man in den Kursen gelernt hat. Nach der konstruktivistischen Sprachdidaktik entwickelt jeder User ganz individuell seine Fertigkeiten, indem neue Informationen subjektiv ausgewählt und in Verbindung mit bereits vorhandenem Wissen verarbeitet werden.

Schnell echt kommunizieren: Babbel-User sollen sich schnell verständlich machen können. Deswegen werden in den Anfängerkursen nach und nach die wichtigsten Redemittel für Alltagssituationen vermittelt (wir finden z. B. “Ich nehme einen Kaffee” wichtiger als “Der Ball ist rot.”). Durch Chunks kennt man bald ganze Sätze, auch wenn man die enthaltene Grammatik nicht immer schon selbst bilden kann (dass man im Beispiel “einen Kaffee” sagt – und nicht “ein”). Da man in realen Gesprächen in einer Fremdsprache auch nicht alle Wörter kennt, wird auch nicht der gesamte Wortschatz unserer Dialoge vorher geübt. So lernt man, Unbekanntes aus dem Kontext zu erschließen – zur Not kann man sich die Übersetzung anzeigen lassen.

Und weil man sich in der Realität auf ganz unterschiedliche Art ausdrücken kann, sind in vielen Schreibaufgaben synonyme Lösungen möglich. Besonders schlau sind die fortgeschrittenen Schreibaufgaben unserer Business English-Kurse: Sie werden von einer einer intelligenten und ständig wachsenden Lösungsdatenbank ausgewertet, so dass auch auf Satzebene viele Varianten richtig gewertet werden. Diese Herangehensweise ans Sprachenlernen ist der kommunikativen Sprachdidaktik zugeordnet.

In Gesellschaft lernen: Die Babbel-Community ist der Raum für soziale Lernprozesse. Dort kann man sich einfach austauschen oder auch Gelerntes aus den Kursen anwenden. In jedem Fall unterhält man sich in verschiedenen Sprachen und manchmal auch über verschiedene Sprachen – und festigt so sein Wissen. Mit solchen Interaktionsprozessen in Netzwerken, bei denen man oft “nebenher” lernt, beschäftigt sich die konnektivistische Sprachdidaktik.

 

Wollt ihr mehr über die wissenschaftlichen Ansätze hinter Babbel lesen? Hier findet ihr Miriams gesamten Artikel aus Prof. Dittlers Buch E-Learning. Einsatzkonzepte und Erfolgsfaktoren des Lernens mit digitalen Medien (3. Auflage, Oldenbourg Verlag 2011, S. 191 – 203).