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Wie man sich eine neue Lerngewohnheit antrainiert

Posted on August 28, 2014 by

Lerngewohnheit

Zu wissen, wie man sich eine neue Lerngewohnheit antrainiert, ist entscheidend für den langfristigen Lernerfolg. Deswegen haben wir uns in den letzten Monaten mit der Bildung von Gewohnheiten befasst: Wie können wir Menschen dabei unterstützen, sich neue Gewohnheiten anzueignen, sodass sie beim Sprachenlernen motiviert bleiben?

Es ist allgemein bekannt, dass ein wichtiger Teil des Lernens regelmäßige Wiederholung ist, also in eine feste Routine zu kommen. Das klingt erst einmal langweilig, ist aber unvermeidlich wenn man es ernst meint mit dem Lernen.

Wir hören von unseren Nutzern oft „Ich habe leider nicht die Zeit, regelmäßig zu lernen.“ Und ja, das kennt wohl jeder: Wie oft merkt man am Ende eines langen Tages, das man auch heute trotz aller guten Vorsätze nicht die paar Minütchen zum Lernen genutzt hat, die man sich eigentlich genau dafür freigehalten hatte?

Zeitmangel ist wirklich ein Thema, aber wir glauben, dass das Problem woanders liegt.

Tatsächlich besteht immer eine Möglichkeit, eine neue Routine in den Alltag zu integrieren… wenn man einen kleinen Schritt nach dem nächsten tut. Es fängt damit an, dass man sich erst einmal für eine Handlung entscheidet, die man jeden Tag ausüben möchte.

Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht geht es nicht darum, einen bestimmten Zeitpunkt für diese neue Verhaltensweise festzulegen. Der Trick besteht darin, sie als Reaktion auf etwas hervorzurufen, damit sie irgendwann von selbst zur Gewohnheit wird.

Und so geht’s:

1. Anker (eine bereits bestehende Gewohnheit) wählen

Nicht Zeit, sondern ein „Auslöser“, der schon im Alltag verankert ist, ist die Hauptzutat für das neue Verhalten, das gelernt werden soll.

Was meinen wir mit „im Alltag verankert“?

Das sind die Dinge, die man jeden Tag abspult, ohne auch nur einen Gedanken an sie zu verschwenden, weil sie langsam – über die Zeit – zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Zum Beispiel jeden Morgen die Kaffeemaschine anzustellen oder sich vor dem Schlafengehen die Zähne zu putzen.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir alle gehen jeden Tag komplexen, aber festen Gewohnheiten nach, die sich je nach Zusammenhang (an Arbeitstagen, im Urlaub, oder an Wochenenden) ändern. Das Gute daran ist, dass diese bestehenden Gewohnheiten als „Anker“ dabei helfen können, sich eine neue Lerngewohnheit buchstäblich anzugewöhnen.

Hier ein paar Hinweise, die dabei helfen, solch einen Anker auszuwählen:

Es sollte eine extrem feste Gewohnheit sein, etwas, was man immer tut.
Es sollte ein präzises Ereignis sein. Ein ungenau definierter Anker („immer, wenn ich in der Stimmung bin, zu lernen“) funktioniert nicht so besonders gut.
Es sollte eine Übereinstimmung mit der Häufigkeit der gewünschten Handlung geben. Wenn man sie einmal am Tag durchführen möchte, wählt man einen Anker, der nur einmal am Tag stattfindet (zum Beispiel „nachdem ich ins Bett gegangen und meinen Wecker gestellt habe…“).
Es sollte etwas mit der neuen Verhaltensweise zu tun haben, sowohl thematisch als auch räumlich. „Nachdem ich die Kinder zur Schule gebracht habe“ ist eher kein guter Anker, um sich anzugewöhnen, jeden Tag zehn Situps zu machen, weil dazwischen recht wahrscheinlich eine längere Zeitspanne liegt.

Der Anker ist etwas sehr Persönliches. Je nach Lebensumstand ist nicht jeder Anker für jeden gleich gut geeignet.

2. Rezept erstellen

Diese Idee ist erstaunlich einfach, aber sie funktioniert. Es fängt damit an, dass man sich ein „Rezept“ erstellt, das man jeden Tag befolgt.

Ein Rezept hat ein paar ganz bestimmte Zutaten:

Nachdem ich (Alltagsgewohnheit), werde ich (neue Gewohnheit, die man erlernen möchte).

Mal angenommen – um jetzt ein völlig zufälliges Beispiel aus der Luft zu greifen – man möchte sich angewöhnen, jeden Tag zehn Minuten lang mit Babbel eine Sprache zu lernen. In diesem Fall wäre der erste Schritt, Babbel zu besuchen, nicht mehr und nicht weniger. Das erste Rezept könnte folgendermaßen aussehen:

Nachdem ich morgens meinen Kaffee getrunken habe, gehe ich auf die Seite von Babbel.

Oder so:

Abends nach dem Zähneputzen gehe ich auf die Seite von Babbel.

An diesem Punkt denken sich viele wahrscheinlich „Ernsthaft? Einfach auf die Seite gehen? Wie soll mir das denn weiterhelfen?“

Tatsächlich ist es entscheidend für eine neue Gewohnheit, dass sie derart simpel ist. Als der Stanford-Psychologe BJ Fogg sich beibringen wollte, Zahnseide zu benutzen, nahm er sich zuerst nur einen einzigen Zahn vor.


(Video in englischer Sprache)

Es geht an diesem Punkt nicht darum, sich auf eine herausfordernde Aufgabe festzulegen (also etwa eine ganze Lektion durchzuarbeiten), sondern einen Anker zu finden, der für einen selbst wirklich funktioniert. Erst wenn dieser gefunden wurde, kann man damit anfangen, die Herausforderung zu erhöhen.

Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Rezept ist ein Anker, der geeignet ist, die erwünschte Verhaltensweise konsequent herbeizuführen. Das Rezept zu testen und anzupassen gehört zum Lernprozess dazu!

3. Den Einsatz erhöhen

Sobald man ein Rezept gefunden hat, das zuverlässig funktioniert, ist schon das Schwierigste geschafft. Denn, um es noch einmal zu betonen, die Schwierigkeit besteht nicht darin, ein kleines bisschen Zeit zu finden, sondern eine neue Verhaltensweise zu erlernen.Und zwar so, dass man sich nicht einmal daran erinnern muss, etwas zu tun, sondern dass es wie von selbst passiert, quasi automatisch und ohne großes Nachdenken.

Bekannterweise schreibt der Schriftsteller Stephen King immer einige Seiten noch vor dem Frühstück (ein sehr guter Auslöser). Wenn man einmal eine Gewohnheit etabliert hat, merkt man, dass es einem schwer fällt ihr nicht nachzugehen, wie das bei Gewohnheiten eben so ist.

Um zu unserem Beispiel zurückzukehren: Wenn man einmal in der Lage ist, zuverlässig eine Verhaltensweise hervorzurufen, zum Beispiel auf die Seite von Babbel zu gehen, kann man sie mühelos ersetzen durch eine fortgeschrittenere Verhaltensweise, etwa eine Lektion auf Babbel zu bearbeiten.

Zauberei? Nicht wirklich, so funktioniert einfach unser Gehirn.

Wir empfehlen, das neue Rezept in der ersten Woche, wenn man sich noch in der Experimentierphase befindet, an einer gut sichtbaren Stelle aufzuschreiben, und zwar im selben Zusammenhang, in dem auch der Anker stattfindet. Je kreativer, desto besser! (Zum Beispiel kann man mit Lippenstift Nach dem Zähneputzen gehe ich auf die Babbel-Seite auf den Badezimmerspiegel schreiben.) Bald wird diese Notiz überflüssig sein – falls man den passenden Anker und die richtige neue Gewohnheit gefunden hat.

Diese Technik mag nicht bei jedem funktionieren, aber man muss nichts investieren, um sie auszuprobieren. Sie ist leicht durchzuführen und kostet nichts. Wer weiß, vielleicht ist sie genau das Richtige für dich!

 

Aus dem Englischen übersetzt von Aline Brünger.

 

Comments

Ich habe noch keinen wirklichen Einstieg zum Englisch lernen gefunden. Trotz geringer Grund-Kenntnisse, wäre meine Ziel- vorstellung. Einfache und allgemeine Sätze in deutsch mit der sprachlichen und aufgezeigten schriftlichen Wiedergabe. Geht das und wie komme ich damit direkt in das System ohne große Umwege. Danke für Ihre Meinung

Hallo Babbel,
danke für die vielen Ratschläge zum Erlernen einer Sprache. Diese decken sich weitestgehend mit meinen eigenen Erfahrungen, die ich im Laufe meines fast 73-jährigen Lebens gemacht habe. Vor einem halben Jahr wurde mir eurerseits die Frage gestellt, wie oft ich schon mit dem Erlernen einer Fremdsprache begonnen habe. Es ist neben dem Russisch in der Schule das erste Mal, dass ich damit beginne. Meine Motivation ist das Gedächtnis fit zu halten und gleichzeitig technische Dokumentationen schneller und besser zu verstehen.
Für mich wäre es hilfreich, wenn ich innerhalb eines Lernteils, an einer beliebigen Stelle Zugriff hätte. Das ist aber aus meiner Sicht nicht ganz einfach zu lösen. Parallel zu Babbel gibt es viele, hilfreiche Videos, die mir beispielsweise in der Satzbildung einen besseren Überblick ermöglicht haben.
Babbel ist aber für mich die Nummer 1 für mein Gedächtnistraining.
Herbert

Danke, genauso werde ich es tun.

es wäre sehr hilfreich, wenn es Texte zum Übersetzen gäbe – ich lerne italienisc. Auch ein Dialog, bei dem dieAntworten von den lernenden kommen müssen, wäre gut., wichtig für Sprecchenlernen, Reagieren .
allerdings müßtet ihr dafür die Spracherkennung wieder auffrischen – funktioniert bei vielen fehlerhaft.
Ach wäre das alles schön.
Euer babbel-fan
andrea

Danke für den guten Tipp des “Ankers”! Da mein Mann im August vorigen Jahres gestorben ist, habe ich nach wie vor Probleme mich wieder dem Lernen zuzuwenden. Werde jetzt diesen gut Rat befolgen und hoffe, dass ich so wieder in “den Tritt” komme.

Liebe babbel-leute!
Ich versuche indonesisch zu lernen.
Manchmal wünsche ich mir, man könnte die erarbeitete wörterlistr umswitchen, so dass man deutsch sieht und indonesisch wissen muss. So wie es beim vokabellernen früher such war.
Ansonsten macht rs wirklich spaß!
.

Das macht vielleicht Mut!
Muchas gracias.
Dra. Mari Carmen Moreno Fernández

Vielen Dank. Ihr Artikel ist einfach super und macht Mut. Ich werde es versuchen, weil es täglich zu machen…das ist das Problem!!.

Su articulo anima y da fuerzas para continuar.
¡Muchas gracias!
Dra. Mari Carmen Moreno

Vielen Dank fuer eure Antwort und super, dass ihr nicht aufhørt euch zu verbessern 🙂
Ueber Nacht hatte ich noch ein paar Ideen 😉 Kurzfilme mit anschliessenden Fragen zum Beispiel. Auch typische Redewendungen wæren ein tolles feature ( Hueber Alltagstauglich polnisch hat eine nette Sammlung, zb “Sowas kenne ich nur zu gut” oder “So etwas bringt mich auf die Palme”). Ich werde auf jeden Fall dranbleiben, hoffe nur ihr “vergesst” polnisch nicht (ist ja leider eine nicht ganz so beliebte Sprache) bei euren updates (wie nun bei den Zungenbrechern passiert ;).

Ich habe einen polnischen Freund und werde in 2-3 Jahren vielleicht nach Warschau ziehen. Von daher ist die Sprache fuer mich ein Muss 😉

Danke fuer euren Einsatz 🙂
Jacqueline

Hi Babbel Team.
Mir ist aufgefallen, dass das stumpfe Vokabel-Bild runterleiern bei mir schnell zu Frust und Blockaden fuehrt. Ich bin ein Lerntyp der Sinne. Lueckentexte, Texte anhøren und verstehen, Paare zuordnen, MindMaps…. das Lernen muss viel kreativer werden. Mir ist klar dass dies ein ungeheurer Aufwand ist bei all den Sprachen die babbel bietet. Ein paar gute Tips habe ich hier gefunden http://www.vokabeln.com/

Ausserdem ist mir aufgefallen dass der Wortschatz oft vøllig unwichtige Vokabeln hat und wichtiges hat dann manchmal keinen Platz mehr im Kopf.

Ich weiss dass ihr sehr bemueht seid und ich hoffe ihr macht damit weiter. Ich lerne polnisch und habe inziwschen 5 Lehrbuecher und 1 Spiel, sowie dass ich Babbel nutze und diverse freie Internetseiten zum verstehen der Grammatik (was mir anch wie vor unmøglich scheint, schlimmer als Latein!)

Legt los, versucht mehr zu motivieren, etwas mehr Abwechslung und ich bin sicher ihr landet damit einen Volltreffer 🙂

Hallo Jacqueline,

herzlichen Dank für deine ausführliche Rückmeldung, deine Anregungen und den Link zu den Vokabellern-Tipps!
Wir wissen das sehr zu schätzen. 🙂

Uns ist bewusst, dass die Fixiertheit auf eine Lernmethode nicht dazu führt, dass man langfristig dabei bleibt. Wir arbeiten fieberhaft daran, Babbel weiterzuentwickeln, damit unsere Nutzer mit Spaß und in kleinen, aber kontinuierlichen Schritten, eine Sprache erlernen können. Wir freuen uns, wenn du dranbleibst, weil wir nach und nach weitere Funktionen veröffentlichen werden, die für mehr Abwechslung und eine bessere Strukturierung des Lernprozesses sorgen.

Viel Spaß und Erfolg weiterhin beim Polnischlernen!

Ich kann mir leider nicht mehr die Vokabeln so gut merken wie vor 50 bzw. 60 Jahren! Damals hatte ich ein photographisches Gedächtnis, heute Demenz, und obwohl ich täglich ca. 1/2 bis 1 h übe, fällt mir das Sprechen schwer, nicht so sehr das Lesen! Oft weiß ich, was das Wort bedeutet, finde aber den deutschen Begriff nicht mehr! Was mach ich falsch??

Keine Panik Tabooh! Hier sind ein paar nützliche Tipps //blog.babbel.com/de/nutzer-tipps-wie-man-sich-am-besten-vokabeln-merkt/

hallo babbel!ich habe sehr lange nicht mehr spanisch gelernt,obwohl ich bei euch kunde bin.nun weiß ich einfach nicht mehr wie ich zu meinem übungsprogramm komme.vieleicht hättet ihr eine Anleitung für mich.gruß brigittr

Hallo Brigitte, kannst du uns eine Email an support@babbel.com schreiben? Danke.

Die Neue Gewohnheiten-Seite hat mir schon den Anstoß gegeben, darüber nachzudenken, wie ich mein Sprechen lernen in den Alltag integrieren kann. Das funktioniert jetzt besser, seitdem ich wieder ein Smartphone habe. Mit der Vokabeltrainer-App schaffe ich es fast jeden Morgen zu lernen. Schade finde ich, dass ich mit dem Smartphone nicht auf die Internetseite von Babbel durchkomme und auch meine gelernten Vokabeln nicht in Wiederholmanager erscheinen.
Viele Gruesse Katrin

Hallo Katrin,

super, weiter so mit dem regelmäßigen Lernen! 🙂

Eigentlich werden die in der App gelernten Vokabeln automatisch in den Wiederhol-Manager übernommen. Bitte schreibe eine Mail an unseren Kundenservice, damit wir dir weiterhelfen können: support@babbel.com . Danke!

Es sollte meiner Meinung nach schon etwas angeboten werden, das zum regelmäßigen Üben anhält. Ich habe mir angewöhnt, mich einmal (fast immer) täglich in Babbel einzuloggen und zumindest den Wiederhol-Manager abzuarbeiten. Das hilft mir sehr, mein Spanisch “wachzuhalten”.

Hey Johann,

wir arbeiten gerade an einem solchen Feature. 😉
Bleib dran und viel Spaß weiterhin beim Spanischlernen!

Ich muss euch mitteilen ,dass ich mit dem Text schon einverstanden bin und ich davon überzeugt bin ,dass das auch funktioniert. I ch werde versuchen mir diese 15Minuten für das lernen einzuteilen .
Ich muss aber dazu erklären das ich jeden Tag um 2Uhr früh zum arbeiten beginne und um ca. 17 uhr mein Arbeitstag endet.
Viele Grüße manfred

Hallo Manfred,

vielleicht findest du nicht auf Anhieb ein Rezept, das für dich funktioniert. Aber es lohnt sich, dranzubleiben und verschiedene Uhrzeiten und Anker-Gewohnheiten auszuprobieren! Es müssen ja nicht mal 15 Minuten sein, 2 Minuten reichen am Anfang völlig. 🙂

Ich gehöre zu den Menschen, die rund(!) um die Uhr im Einsatz oder auf Abruf sind. Dadurch ist es mir kaum möglich, verlässliche persönliche Routinen zu bilden, es gibt z.B. keine festen Wach- und Schlafzeiten. Wenn ich vor dem Zubettgehen etwas lerne, dann geht das am Abend, nicht aber wenn es bereist drei Uhr morgens ist. Das gilt auch für Mahlzeiten, das Zähneputzen oder andere Alltagstätigkeiten. Es gibt also keine Anknüpfungspunkte für neue Gewohnheiten und das erfordert, Lernen im Hinterkopf auf der Todo-Liste zu halten und bei Gelegenheit zu tun.

Im Sommer bin ich nicht zum Lernen gekommen, weil ich im Ausland war und die Sprache gesprochen habe, die ich lerne, eine Abmeldefunktion für sich selbst für Verhinderungen (egal ob Urlaub, Dienstreise, Geburt eines Kindes oder Krankheit) könnte Verzerrungen im Lernprogramm verhindern helfen!

Viele Grüße
Kirsten

Hey Kirsten,

ja, tatsächlich gehörst du wohl zu den Menschen, für die dieser Lerntipp nicht so gut geeignet ist wie für andere. Danke für deinen Vorschlag! Ich gebe ihn gern weiter, wir arbeiten auch gerade an einer Erinnerungsfunktion.

Alles Gute für deinen Beruf und beim Lernen!

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